Die Stimme des Gewissens in Südafrika geht in den Ruhestand
Frankfurt/Main - Bei der ersten freien Wahl in Südafrika 1994 machte er vor Freude einen Luftsprung: Erzbischof Desmond Tutu hat ein Leben lang für die Rechte der schwarzen Bevölkerung gekämpft, wofür ihm 1984 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Und auch im neuen Südafrika ist der anglikanische Geistliche eine wichtige Stimme des Gewissens geblieben. Am Donnerstag aber kündigte er seinen Rücktritt aus dem öffentlichen Leben an: Ab seinem 79. Geburtstag am 7. Oktober will er sich vorwiegend seiner Familie widmen.
Tutu hat sich selbst einmal als «Quälgeist für Gerechtigkeit» bezeichnet und hat dies vor allem als Vorsitzender der Kommission zur Wahrheitsfindung und Versöhnung in Südafrika unter Beweis gestellt. Der weltweit gewürdigte Erfolg dieses Gremiums wird nicht zuletzt auf das unermüdliche Beharren Tutus zurückgeführt, die Wunden der Vergangenheit noch einmal zu öffnen, damit sie nicht eitern, sondern heilen können, wie er es ausdrückte.
Bei den Anhörungen sah man oft, wie Tutu seinen Kopf in die Hände stützte, um seine Tränen zu verbergen - Tränen des Schmerzes beim Anblick geschundener Menschen, aber auch Tränen der Rührung über großmütige Gesten des Verzeihens. In seinem Abschlussbericht von 1998 hat er dann nicht nur den Schergen des Apartheidregimes schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, sondern auch Mitglieder des inzwischen regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) wegen einer Reihe Gräueltaten gerügt. Eben diese Ausgewogenheit hat der Wahrheitskommission so viel Glaubwürdigkeit verliehen und den Prozess der nationalen Versöhnung seinerzeit maßgeblich gefördert.
Desmond Mpilo Tutu wurde am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp in Transvaal geboren. Sein Vater vom Stamm der Xhosa war Lehrer an einer methodistischen Grundschule, konvertierte jedoch später zum anglikanischen Glauben. Tutu wurde 1961 zum anglikanischen Priester geweiht, danach lebte er viele Jahre in Großbritannien. 1975 kehrte er endgültig nach Südafrika zurück und geriet schon bald in Konflikt mit der Regierung, die er für die blutigen Rassenunruhen 1976 in Soweto verantwortlich machte. weiterlesen >>