Anteil der Fahrradnutzung laut Studie von 2002 bis 2008 gestiegen
veröffentlicht am 08.06.2009

Die Deutschen schwingen sich immer öfter aufs Fahrrad. Im vergangenen Jahr benutzten sie für zehn Prozent aller Wege den Drahtesel, das waren täglich 90 Millionen auf dem Fahrrad gestrampelte Kilometer. Im Vergleich zum Jahr 2002 stieg die Radnutzung um 17 Prozent.
Frankfurt/Main - Die Deutschen schwingen sich immer öfter aufs Fahrrad. Im vergangenen Jahr benutzten sie für zehn Prozent aller Wege den Drahtesel, das waren täglich 90 Millionen auf dem Fahrrad gestrampelte Kilometer. Im Vergleich zum Jahr 2002 stieg die Radnutzung um 17 Prozent. Das geht aus ersten Ergebnissen der Studie «Mobilität in Deutschland 2008» des Bundesverkehrsministeriums hervor. Auch öffentliche Verkehrsmittel wurden öfter genutzt als sechs Jahre zuvor.
Auch wenn die Deutschen im Vergleich zu anderen Ländern gerne Rad fahren, kommen sie trotz der Verbesserungen noch lange nicht an klassische Radfahrernationen heran: Laut Ministerium nutzen die Niederländer für 27 Prozent aller Wege das Rad, in Dänemark sind es immerhin 18 Prozent. In Deutschland stieg der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege von 2002 bis 2008 nur leicht von neun auf zehn Prozent.
Damit radelten die Deutschen aber 2008 immerhin täglich 5 Millionen Kilometer mehr mit dem Rad als sechs Jahre zuvor. «Man merkt, dass die Leute mehr Rad fahren», sagte Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) der AP. Das mache sich auch beim Fahrradhandel bemerkbar. Laut Statistischem Bundesamt stieg im vergangenen Jahr der reale Umsatz des Fahrradeinzelhandels im Vergleich zu 2007 um 5,2 Prozent - entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend beim Einzelhandel.
Ob die gestiegene Lust aufs Radfahren auch mit den gestiegenen Kraftstoffpreisen zu tun hat, lässt sich laut Bundesverkehrsministerium aus der Studie, die voraussichtlich im Spätsommer veröffentlicht werden soll, noch nicht ablesen. Man könne nur sagen, dass im vergangenen Jahr trotz der gestiegenen Kraftstoffpreise kein «abnehmender Mobilitätseffekt» erkennbar sei, sagte ein Sprecher der AP. Insgesamt seien alle Verkehrsmittel stärker genutzt worden.
Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gab es von 2002 bis 2008 einen Zuwachs um 14 Prozent, damit wurden neun Prozent aller Wege beziehungsweise 497 Millionen Kilometer mit Bus oder Bahn zurückgelegt. Mit Fahrrad, Bus und Bahn wurden laut Ministerium im Vergleich zum Pkw täglich knapp 10.000 Tonnen C02 eingespart. Zwar benutzen die meisten Verkehrsteilnehmer nach wie vor Autos oder Motorräder, wobei hier die absoluten Werte auch weiter zulegen. Laut Ministerium geht der Anstieg bei den zurückgelegten Kilometern aber allein auf ein Plus bei den Mitfahrern zurück. In der Gesamtbilanz der Verkehrsmittel sei der Anteil von Auto und Motorrad bei den individuellen Nutzern rückläufig.
Etwas verhaltene Freude herrscht beim ADFC, der auf den 2002 noch unter Verkehrsminister Kurt Bodewig ins Leben gerufenen Nationalen Radverkehrsplan verweist, mit dem das Ministerium bis 2012 den Umstieg aufs Rad fördern will. «Das Ziel war es eigentlich, den Anteil von neun Prozent zu verdoppeln - da ist ein Anstieg um ein Prozent in sechs Jahren kein wirklicher Erfolg», sagte Cibulski. Allerdings habe es auch fünf Jahre gedauert, bis die Aktivitäten im Ministerium in Gang gekommen seien. Erst dann sei eine entsprechende Arbeitsgruppe installiert worden, und seither passiere «deutlich mehr».
Momentan gebe es gerade den Trend zum Radfahren und ein gutes Klima für das Thema, sagte Cibulski. Das liege zum einen an der Klima-Debatte, dann aber auch daran, dass die Menschen weniger Geld hätten, sowie am Gesundheitsaspekt. «Das muss weitergehen und darf nicht 2012 zu Ende sein», forderte Cibulski. «Es gibt noch viel zu tun.» (© AP)




Beliebtheit der öffentlichen Verkehrsmittel steigt weiter
Rikscha-Rennen durch Indien gestartet
Londoner Pendler kämpfen mit Folgen von Streik der U-Bahnbeschäftigten

