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11. Juni 2010
Panische Angst vor dem Pissoir
Frankfurt/Main - Geschätzte 5,7 Millionen Bundesbürger haben panische Angst vor öffentlichen Toiletten. Paruresis, auch «schüchterne Blase» genannt, ist eine seelische Störung mit teils hohem Leidensdruck. «Betroffene sind im Beisein anderer Menschen unfähig, in fremder Umgebung zu urinieren», sagt Klaus Oelbracht, leitender Psychologe der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Die Folge: Paruretiker versuchen, so wenig wie möglich zu trinken und gehen kaum noch aus dem Haus. Sie kappen soziale Kontakte, isolieren sich immer mehr, was geradewegs in die Depression führt.
Psychotherapeut Philipp Hammelstein berichtet in seinem Buch «Lass es laufen! Ein Leitfaden zur Überwindung der Paruresis» über extreme Fälle, in denen Betroffene ihren Arbeitsplatz so wählten, dass sie jederzeit zu Hause auf Toilette gehen konnten oder gleich ganz von dort arbeiteten. «Solche Menschen verlassen das Haus nur für Stunden», sagt Hammelstein.
Auf der Internetseite «Paruresis» tauscht eine wachsende Zahl von Betroffenen ihre Erfahrungen aus. Da ist Michael, der «ständig an seine Unfähigkeit denken muss», neben anderen die Toilette zu benutzen. «Man gerät fast in Panik, weil man weiß, dass die anderen Personen eigentlich zumindest ein Plätschern hören müssten, doch nichts passiert.» 20 Jahre lang litt die 41-jährige Sila unter Paruresis, ohne zu wissen, dass sie nicht die einzige ist. Eine fünfwöchige Verhaltenstherapie in der Münsteraner Klinik brachte die Erlösung. «Wasserlassen war danach kein außergewöhnliches Ereignis mehr», berichtet sie erleichtert.
Die «International Paruresis Association» schätzt die Zahl der Behandlungsbedürftigen auf sieben Prozent der Bevölkerung. Für Deutschland bedeutet das rund 5,7 Millionen Betroffene. US-Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass das «bashful bladder syndrome» die zweithäufigste soziale Phobie nachdem Sprechen in der Öffentlichkeit ist. weiterlesen >>

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