Millionen Kinder und Ungeborene leiden unter Passivrauchen

veröffentlicht am 29.05.2010


Mehr als 1,7 Millionen Kinder müssen in Deutschland jeden Tag zu Hause Zigarettenqualm einatmen. Passivrauchende Kinder leiden häufiger an Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen und Asthma. Dies geht aus dem Report des Deutschen Krebsforschungszentrums «Schutz der Familie vor Tabakrauch» hervor, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

 

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vn - Mehr als 1,7 Millionen Kinder müssen in Deutschland jeden Tag zu Hause Zigarettenqualm einatmen. Passivrauchende Kinder leiden häufiger an Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen und Asthma. Dies geht aus dem Report des Deutschen Krebsforschungszentrums «Schutz der Familie vor Tabakrauch» hervor, der am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.


«Kinder sind nicht nur zu Hause, sondern auch an anderen Orten nur unzureichend vor den Schadstoffen des Tabakrauchs geschützt», warnte die Expertin des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), Martina Pötschke-Langer, vor dem Weltnichtrauchertag am Montag.


Besonders stark belastet sind Kinder, wenn ihre Eltern im Auto rauchen: Die Luft kann so verqualmt sein wie in verrauchten Kneipen. 30 Prozent der Kinder werden bei der Fahrt dem Qualm ausgesetzt, wie die Heidelberger Krebsforschern herausfanden.


Pötschke-Langer berichtete, dass auch Betreuungs-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen nur unzureichend geschützt sind. So dürfe etwa bei vielen Fremdveranstaltungen in Kindertagesstätten geraucht werden. Zudem sei in vielen Bundesländern gestattet, dass Kita-Betreuer auf Ausflügen rauchen.


Auch auf Kinderspielplätzen bestehe nur selten ein offizielles Rauchverbot, beklagte die Krebsexpertin. Allein in Berlin verschluckten 2008 mehr als 900 Kinder einen Zigarettenstummel.


Auch ungeborene Kinder sind in Gefahr. Lediglich ein Viertel der schwangeren Raucherinnen geben der DKFZ-Studie zufolge ihr Laster auf. 70 Prozent fangen bereits im ersten Jahr nach der Geburt wieder an. Rauchende Mütter erleiden häufiger eine Früh- oder Totgeburt, und ihre Säuglinge haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, innerhalb ihres ersten Lebensjahres am plötzlichen Kindstod zu sterben. Pötschke-Langer warnte, jede Woche sterbe ein Baby, weil seine Eltern rauchen.


Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, erklärte: «Es ist mir ein großes Anliegen, dass Kinder schon im Mutterleib und später in der Familie vor den Gefahren des Tabakrauchens geschützt werden.» Werdende Mütter müssten von den Ärzten besser über die Folgen des Rauchens aufgeklärt werden. Es gebe zu wenig Entwöhnungsprogramme speziell für Schwangere und für junge Eltern, sagte Dyckmans.


Pötschke-Langer erklärte: «Es ist nicht nur eine Aufgabe der Eltern, ihre Kinder vor Tabakrauch zu schützen, sondern auch eine Aufgabe der Politik.» Sie verlangte ein umfassendes Rauchverbot für alle Einrichtungen, zu denen Familien Zutritt haben, sowie ein Gesetz gegen das Rauchen im Auto, wenn Schwangere und Kinder mitfahren.


Weiter solle das Finanzministerium ernsthaft weitere drastische Tabaksteuererhöhungen erwägen, forderte die Krebsforscherin. Die vergangenen fünf Erhöhungen hätten einen merklichen Rückgang des Rauchens unter Jugendlichen bewirkt.


Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg ist mit 850 Wissenschaftlern die nach eigenen Angaben größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Forschungsministerium und zu zehn Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.  (© AP)



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