Missbrauchsskandal: ZdK-Präsident kritisiert Beschwichtigungsversuche
veröffentlicht am 16.04.2010

Die katholischen Laien haben von der Kirche eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle gefordert. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, kritisierte am Freitag auf der Vollversammlung in München die Beschwichtigungsversuche einzelner Bischöfe und Kardinäle. An der klaren Haltung des Papstes bestehe kein Zweifel.
München - Die katholischen Laien haben von der Kirche eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle gefordert. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, kritisierte am Freitag auf der Vollversammlung in München die Beschwichtigungsversuche einzelner Bischöfe und Kardinäle. An der klaren Haltung des Papstes bestehe kein Zweifel. Aber leider führten «andere Äußerungen aus dem Bereich der Kurie zu neuen Irritationen», sagte Glück. Die Deutsche Bischofskonferenz brauche eine einheitliche, klare Position, um glaubwürdig zu sein.
Vertrauen gewinne die Kirche nicht zurück «durch überhöhte Selbstdarstellung oder indem sie sich gekränkt und beleidigt gibt», sondern nur durch Wahrhaftigkeit und überzeugenden Dienst für die Menschen. Abschreckend sei dagegen, wenn hinter einer Fassade scheinbarer Vollkommenheit Skandale sichtbar würden, warnte Glück. Unter großem Beifall der Laienvertreter dankte er dem Leiter des Berliner Canisisus-Kollegs, Jesuitenpater Klaus Mertes, «für seinen Durchbruch durch die Schweigemauer».
Die Kirche dürfe nicht «durch Hinweis auf die Schuld anderer den Eindruck erwecken, dass wir unser Versagen relativieren wollen», mahnte Glück. Bischöfe, die sich zu den Fehlern bekannten, schafften die Chance für neues Vertrauen. Es sei gut, dass jetzt die Opfer im Zentrum stünden «und nicht mehr ein falsch verstandener Schutz der Kirche». Wer zuerst die Kirche schützen wolle, «fördert das Wegschauen und falsche Solidarität». Dass die Mehrheit der Deutschen den Aufklärungswillen der Kirche bezweifle, sei alarmierend.
Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse rief die Katholiken auf, «damit wir nicht daran ersticken, auch unseren Zorn auf den Vatikan zu äußern». Den Papst dagegen nahm er ausdrücklich von dieser Kritik aus. Unerträglich sei aber auch, dass Pater Mertes in einigen katholischen Blättern als Nestbeschmutzer beschimpft werde, sagte Thierse.
Mertes warnte die Kirche davor, jetzt selbst die Opferrolle zu übernehmen. Eine solche Umdeutung der eigenen Position wäre «eine Fortsetzung des Missbrachs». Um aus der Krise zu kommen, müsse die Kirche den Opfern zuhören.
Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, sprach von der «größten Glaubwürdigkeitskrise der Kirche» in Deutschland. Ohne Offenheit werde sie diese Kirse nicht überwinden. (© AP)





