Kundus-Affäre: Jung will nichts vertuscht haben
veröffentlicht am 25.03.2010

Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat den Vorwurf der Vertuschung in der Kundus-Affäre «mit Nachdruck» zurückgewiesen. Jung gab am Donnerstag eine dreiviertelstündige Erklärung vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss ab, der die tödlichen Luftschläge von Kundus am 4. September 2009 aufklären soll.
Berlin - Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat den Vorwurf der Vertuschung in der Kundus-Affäre «mit Nachdruck» zurückgewiesen. Jung gab am Donnerstag eine dreiviertelstündige Erklärung vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss ab, der die tödlichen Luftschläge von Kundus am 4. September 2009 aufklären soll. Der CDU-Politiker sagte, es sei ihm darum gegangen, die «Soldaten zu unterstützen, die mit Risiko für Leib und Leben in Afghanistan im Einsatz sind».
Jung listete minuziös auf, zu welchem Zeitpunkt er welche Informationen hatte und wie er die Obleute des Verteidigungsausschusses unterrichtet hatte. Demnach schloss er bereits am 6. September, also zwei Tage nach dem Bombardement der beiden von Taliban entführten Tanklaster, vor der Presse zivile Opfer nicht mehr aus. Und das, obwohl Oberst Georg Klein ihm gegenüber die Einschätzung geäußert habe, dass nur Taliban bei dem Bombardement vor Ort gewesen seien. «Ich habe es als meine Pflicht angesehen, mich vor Oberst Klein zu stellen», betonte Jung.
Vor einer abschließenden Bewertung der Luftanschläge habe er den NATO-Bericht abwarten wollen, sagte der Ex-Verteidigungsminister. Da man die NATO-Untersuchung unterstützt habe, habe man auch auf einen eigenen Untersuchungsbericht verzichtet. Deshalb habe er sich auch über den sogenannten Feldjägerbericht «geärgert», der «nicht vorteilhaft» gewesen sei für die Soldaten. «Wie kommt ein Feldjäger dazu, so etwas zu machen?», fragte Jung.
Den Feldjägerbericht habe man dann der NATO zur Verfügung gestellt, die ihn für bedeutungslos gehalten habe. Am 26. November war der Bericht an die Presse gelangt und hatte später zu Jungs Rücktritt als Arbeitsminister geführt.
Bei der Übergabe des Verteidigungsministeriums an seinen Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe er diesem empfohlen, sich auf den NATO-Bericht zu konzentrieren, dessen Veröffentlichung unmittelbar bevorstand, sagte Jung. (© AP)




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