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Wegen Medienschelte: Kritik an Bischof Müller

veröffentlicht am 23.03.2010


Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche steht nun der Regensburger Bischof Gerhard Müller wegen seiner Medienschelte in der Kritik. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von «skandalöser Polemik», Kurienkardinal Walter Kasper distanzierte sich von Müllers Aussagen. In dem Bistum wurden am Montag neue Missbrauchsfälle aus den 50er bis 70er Jahren bekannt.

 

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Frankfurt/Main - Im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche steht nun der Regensburger Bischof Gerhard Müller wegen seiner Medienschelte in der Kritik. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von «skandalöser Polemik», Kurienkardinal Walter Kasper distanzierte sich von Müllers Aussagen. In dem Bistum wurden am Montag neue Missbrauchsfälle aus den 50er bis 70er Jahren bekannt.


Müller hatte am Samstag über Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus gesprochen und dann erklärt, man erlebe auch jetzt «eine Kampagne gegen die Kirche. Von so vielen Medien wird gegen die Kirche gezischt, so als ob man sich vorkommt, als ob man in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte, so wird gefaucht und gezischt gegen die Kirche». «Ziel dieser Kampagne» sei es, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu erschüttern. Jetzt komme es darauf an, «nicht auf all diese Schalmeien wie 1941» hereinzufallen.


Das Bistum bestritt am Montag, dass Müller einen Vergleich mit der NS-Zeit hergestellt habe: «Dies ist eine fälschende Verzerrung der Aussagen des Bischofs.» Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hatte am Sonntag erklärt, es sei «unglaublich, wie mit solchen Aussagen Geschichtsfälschung betrieben wird».


Kurienkardinal Kasper riet Müller laut Bayerischem Rundfunk, nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen: «Wir sollten unser eigenes Haus in Ordnung bringen.» Über die Berichterstattung der Medien könne man verschiedener Meinung sein: «Sie haben aber auch die Aufgabe, die Dinge offen zu legen.»


Der Deutsche Journalisten-Verband forderte eine Entschuldigung von Müller auf. Dieser «polemisiert gegen die Überbringer der schlechten Nachrichten und versucht so offenbar, von den Fakten abzulenken». Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte im BR, Müllers Verhalten helfe nicht weiter, «sondern führt dazu, dass der eine oder andere den Eindruck hat, dass es in der Kirche Kräfte gibt, die letztlich keine Aufklärung wollen».


Das Bistum Regensburg berichtete am Montag von weiteren sieben Missbrauchsfällen in den 50er bis 70er Jahren. Insgesamt seien neue Vorwürfe gegen sechs noch lebende Personen erhoben worden: einen Pfarrer, zwei Ordensgeistliche, einen ehemaligen Ordensmann und zwei Ordensschwestern. Unter den Opfern sind demnach auch zwei ehemalige Domspatzen. In diesen Fällen ermittele inzwischen die Staatsanwaltschaft. Weil sich neben den Opfern sexuellen Missbrauchs auch zunehmend Opfer anderer körperlicher Gewalt gemeldet hätten, habe das Bistum inzwischen zusätzlich eine Beauftragte zur Klärung von Vorwürfen der Körperverletzung eingesetzt.


Die Deutsche Bischofskonferenz wies Kritik am Papstbrief zum sexuellen Missbrauch als ungerechtfertigt zurück. Es sei nicht nachvollziehbar, woher die «völlig unhaltbaren Forderungen» kämen, der Papst müsse auch etwas zu Deutschland sagen, sagte Sprecher Matthias Kopp im ZDF: «Der Papst hat von Anfang an gesagt, dass er einen Brief an die irischen Katholiken schreibt.»


Unterdessen lobte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger das Vorgehen der bayerischen Bischöfe zur Aufklärung von Missbrauchsfällen als beispielhaft. «Der Beschluss der bayerischen Bischofskonferenz eröffnet allen deutschen Diözesen einen neuen Weg», sagte die FDP-Politikerin der «Berliner Zeitung». In der «Frankfurter Rundschau» sprach sie sich dafür aus, wegen Schadenersatzklagen von Opfern die Verjährungsfrist bei sexuellem Missbrauch im Zivilrecht zu verlängern.  (© AP)



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