Greenpeace: Konzerne beeinflussten Atomlager-Entscheidungen
veröffentlicht am 03.06.2009

Der ehemalige Betreiber des Atommülllagers Asse hat nach Darstellung der Umweltorganisation Greenpeace in den 70er Jahren auf Druck der Stromkonzerne die Sicherheitsstandards für das heute einsturzgefährdete Bergwerk abgesenkt. Greenpeace veröffentlichte am Mittwoch in Hamburg ein im Dezember 1974 verfasstes Memorandum, das im Namen der Energieunternehmen «kostenminimale und ökonomische Lösungen» für die Atommüllbeseitigung in dem Bergwerk bei Wolfenbüttel verlangte.
Hamburg - Der ehemalige Betreiber des Atommülllagers Asse hat nach Darstellung der Umweltorganisation Greenpeace in den 70er Jahren auf Druck der Stromkonzerne die Sicherheitsstandards für das heute einsturzgefährdete Bergwerk abgesenkt. Greenpeace veröffentlichte am Mittwoch in Hamburg ein im Dezember 1974 verfasstes Memorandum, das im Namen der Energieunternehmen «kostenminimale und ökonomische Lösungen» für die Atommüllbeseitigung in dem Bergwerk bei Wolfenbüttel verlangte.
Das von Greenpeace im Bundesarchiv gefundene Memorandum forderte die pro eingelagerten Atommüllfass zulässige Radioaktivität «um mindestens den Faktor fünf zu erhöhen». In von der Umweltorganisation ebenfalls dokumentierten Briefen an den seinerzeitigen Asse-Betreiber Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) machten sich AKW-Betreiber die Forderungen des Memorandums zueigen. Nachdem sie sich auch an das Bundesinnenministerium wandten, erlaubte die GSF Ende 1975, dass zur Asse angelieferte Fässer fünf Mal mehr Radioaktivität enthalten durften.
Es habe seinerzeit eine heimliche Allianz zwischen Politik und Atomkonzernen gegeben, sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. Dabei habe die Atomindustrie «die Sicherheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt», um ihr Entsorgungsproblem zu lösen.
Die Verantwortung für das einsturzgefährdete Atommülllager übernahm im Januar das Bundesamt für Strahlenschutz. Der niedersächsische Landtag will in seiner nächsten Sitzung einen Untersuchungsausschuss zu dem Atommülllager einsetzen. (© AP)




Greenpeace und Facebook legen Streit um Rechenzentrum bei
Greenpeace kritisiert Beschlüsse von Durban
BUND und Greenpeace fordern von Merkel Führung in der Energiepolitik

