Berliner Nikolaikirche wird zum Multimedia-Museum
veröffentlicht am 20.03.2010

Nach zweijähriger Sanierung öffnet die Berliner Nikolaikirche am Sonntagnachmittag wieder ihre Türen. Dort erwartet die Besucher künftig eine multimediale Dauerausstellung im neu gestaltenen Innenraum. Im Mittelpunkt steht die älteste Kirche der Stadt selbst: «Vom Stadtgrund bis zur Doppelspitze - 800 Jahre Berliner Nikolaikirche» lautet der Titel der Ausstellung.
Berlin - Nach zweijähriger Sanierung öffnet die Berliner Nikolaikirche am Sonntagnachmittag wieder ihre Türen. Dort erwartet die Besucher künftig eine multimediale Dauerausstellung im neu gestaltenen Innenraum. Im Mittelpunkt steht die älteste Kirche der Stadt selbst: «Vom Stadtgrund bis zur Doppelspitze - 800 Jahre Berliner Nikolaikirche» lautet der Titel der Ausstellung. Die Kosten für die zweijährigen Baumaßnahmen betrugen rund vier Millionen Euro.
Risse im Gewölbe, Wellen im Fußboden, feuchte Mauern: Acht Jahrhunderte hatten ihre Spuren in der Nikolaikirche hinterlassen. Nun sei es gelungen, die frühe Stadtgeschichte wieder sichtbar zu machen und das Kircheninnere modern und energiebewusst zu sanieren, sagte Berlins Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), am Freitag in Berlin. Das Bauwerk erstrahle jetzt «in altem und ein bisschen auch in neuem Glanz», so die Senatorin.
Eine «Rumpelkammer» sei die Kirche vor der Sanierung gewesen, sagte die verantwortliche Architektin Christine Petersen. Trotz des Ziels einer Modernisierung habe man aber versucht, «der Kirche keinen Stempel 2010 aufzudrücken». Zu den größten Baumaßnahmen gehörte neben dem neuen Ziegelboden und dem restaurierten Gewölbe auch ein eigens konzipiertes Lichtsystem. Insgesamt 669 leuchtende Glaskugeln hängen in vertikalen Fassungen von der Decke.
Das neuzeitlichste Element der Ausstellung steht aber unter der Empore der Nikolaikirche: Der sogenannte Multitouch-Surface-Tisch. Bedient wird der Multimedia-Tisch über die Infrarot-Reflexionen der Fingerspitzen und vermittelt dann die Geschichte der Nikolaikirche in Wort, Bild und Film. Das Gerät soll auch junge Menschen anregen, die Kirche zu besuchen, wie Albrecht Henkys von der Stiftung Stadtmuseum Berlin sagte.
Die eigentliche Ausstellung besteht aus sieben Themeninseln und reicht von der Baugeschichte der Kirche und der Berliner Stadtgeschichte über die Bestattungskultur bis hin zum Kirchengesang. So bietet eine Audiostation sechs Hörplätze, an denen die Besucher über Kopfhörer bekannte Kirchenlieder aus St. Nikolai hören können. Ein eigener Themenbereich ist den sakralen Kunstwerken gewidmet: der hölzernen Kanzel, dem Zinnblech-Taufbecken, den zahlreichen Grabdenkmälern.
Die Themeninseln und Exponate führen dezent an den Mauern der Kirche entlang. «Sie dominieren nicht den Gesamtraum», sagte Henkys, damit das Gesamtdenkmal Nikolaikirche stets im Mittelpunkt der Ausstellung bleibe. Dies ist auch im Sinne von Architektin Petersen, die sich rundum zufrieden mit dem neuen Innenraum der Kirche zeigte: «Er ist zum Niederknien schön. Aber es ist nun ein Museum und keine Kirche mehr», sagte sie.
Das Gebäude war bereits 1938 dem Staat übereignet und seither nicht mehr als Kirche genutzt worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde es bis auf die Außenwände zerstört, dann von 1981 an wieder aufgebaut. Seither war die Kirche als Museum und Konzertraum genutzt worden. (© AP)




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