Zeitreise im Folkwang-Museum: Eine glanzvolle Sammlung der 20er- und 30er-Jahre
veröffentlicht am 18.03.2010

Eine Zeitreise der besonderen Art ermöglicht ab Samstag das Folkwang-Museum seinen Besuchern. In der Ausstellung «Das schönste Museum der Welt» rekonstruiert das Essener Haus seine glanzvolle Sammlung der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die später von den Nationalsozialisten in alle Welt zerstreut wurde. Spektakuläre Werke wie Franz Marcs «Die roten Pferde», Wassily Kandinskys «Improvisation 28» oder Mark Chagalls «Purim» kehrten dafür nach acht Jahrzehnten für vier Monate nach Essen zurück.
Essen - Eine Zeitreise der besonderen Art ermöglicht ab Samstag das Folkwang-Museum seinen Besuchern. In der Ausstellung «Das schönste Museum der Welt» rekonstruiert das Essener Haus seine glanzvolle Sammlung der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die später von den Nationalsozialisten in alle Welt zerstreut wurde. Spektakuläre Werke wie Franz Marcs «Die roten Pferde», Wassily Kandinskys «Improvisation 28» oder Mark Chagalls «Purim» kehrten dafür nach acht Jahrzehnten für vier Monate nach Essen zurück.
Der Titel der Ausstellung ist ein Zitat von Paul Sachs, eines der Mitbegründer des New Yorker Museums of Modern Art (MoMA), der die Essener Sammlung 1932 besuchte. Das Folkwang-Museum verfügte damals über eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst mit Hauptwerken von Renoir, Cézanne, van Gogh, Gauguin, Munch, Kandinsky, Mark, Nolde, Kokoschka und Beckmann.
Doch wurde die einmalige Bilderkollektion nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten auseinandergerissen. 1937 wurden insgesamt 1.456 Werke sogenannter «entarteter Kunst» beschlagnahmt. Viele von ihnen wurden versteigert und gehören nun zu Glanzstücken ausländischer Museen.
«Der große Glanz dieser Sammlung ist in dieser Ausstellung wieder lebendig», betont Museumsdirektor Hartwig Fischer. Gezeigt werden allein 55 Gemälde, darunter 25 Leihgaben, aber auch Plastiken und Zeichnungen. «Unsere Ausstellung bringt die wichtigsten Werke, die einst dem Museum gehörten und 1937 konfisziert wurden, für vier Monate wieder nach Essen zurück und vereint sie mit den Hauptwerken, die im Museum verblieben,» sagt Fischer.
Für das Essener Museum bedeutet die Ausstellung Rückbesinnung auf eine stolze Vergangenheit, aber auch einen Neubeginn. Es ist die erste Präsentation in dem von der Krupp-Stiftung finanzierten, großzügigen Museumsneubau des Stararchitekten David Chipperfield, der in diesem Jahr bezogen wurde.
Die Ausstellungsmacher verzichteten bei der Präsentation bewusst auf den Versuch, das Ambiente des alten Museums zu rekonstruieren. Es gehe nicht um eine «nostalgische Haltung», wichtig sei der heute Blick, betont der Kurator der Ausstellung, Uwe Schneede.
Dabei knüpfte er an eine in Vergessenheit geratene Folkwang-Tradition an. Ausgestellt werden nicht nur Werke der klassischen Moderne, sondern auch antike und außereuropäische Kunst. Sie gehörte in den 30er Jahren noch ganz selbstverständlich zum Museumsbestand, verschwand aber später in den Archiven. Diese fremden Kulturen gelte es in ihrem Eigensinn ernst zu nehmen, sagt der Ausstellungsmacher.
So finden sich neben Werken von van Gogh und Emil Nolde gleichberechtigt auch Schattenspielfiguren aus Java, Totenkultfiguren aus Ozeanien, ägyptische Grabbeigaben und chinesische Teeschalen.
«Das ist eine einzigartige Ausstellung, in einem einzigartigen Gebäude, in einem einzigartigen Moment», meint Museumsdirektor Fischer. Mit ihrem Rekonstruktionsversuch seien die Ausstellungsmacher bei den aktuellen Besitzern der Bilder auf erstaunliches Verständnis gestoßen. «Keiner hat lange gezögert, wenn es irgendwie möglich war», erzählt Fischer.
Doch war das Folkwang-Museum damals wirklich «das schönste Museum der Welt»? Oder war das nur ein übertriebenes Kompliment? Kurator Schneede mag die Möglichkeit zumindest nicht ausschließen. Das Folkwang-Museum sei damals das interessanteste Museum weit und breit gewesen. Kein anderes Museum in Deutschland habe einen so großen Schatz an wichtigen Werken der klassischen Moderne Frankreichs und Deutschlands besessen. Mit seiner vom Bauhaus beeinflussten Architektur sei es eine «moderne Schönheit gewesen». Und die gezeigten außereuropäischen Werke hätten ihm einen besonderen Reiz verliehen.
«Es war so einzigartig und außergewöhnlich, dass das Urteil vielleicht gerechtfertigt war. Jeder ist aufgefordert das nun selbst zu überprüfen», lädt der Experte ein. (© AP)





