Kleinunternehmer verpfänden immer häufiger Betriebsmittel
veröffentlicht am 18.03.2010

Immer mehr Pfandhäuser profitieren von der Zurückhaltung vieler Banken bei der Kreditvergabe. Nicht nur Verbraucher, sondern zunehmend auch Kleinunternehmen und Selbstständige leihen sich dort Geld. «Was über die Banken früher finanziert wurde, übernehmen wir jetzt eher», sagt Stephan Jentsch, Geschäftsführer des Auto-Pfandhauses Hanseatische Pfandkredit in Hamburg.
Hamburg - Immer mehr Pfandhäuser profitieren von der Zurückhaltung vieler Banken bei der Kreditvergabe. Nicht nur Verbraucher, sondern zunehmend auch Kleinunternehmen und Selbstständige leihen sich dort Geld. «Was über die Banken früher finanziert wurde, übernehmen wir jetzt eher», sagt Stephan Jentsch, Geschäftsführer des Auto-Pfandhauses Hanseatische Pfandkredit in Hamburg.
Der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes Wolfgang Schedl bestätigt, dass immer mehr Leihhäuser verstärkte Nachfrage von Geschäftskunden melden. Die 200 privaten Pfandleiher seines Verbands hätten im vergangenen Jahr Kredite über 500 Millionen Euro ausgezahlt, berichtet Schedl. Genaue Zahlen über den Umsatzanteil mit gewerblichen Kunden nannte er allerdings nicht.
Mit jährlich 20 Prozent mehr gewerbetreibenden Leihhaus-Kunden rechnet Jorg Mühlenberg, der Herausgeber des «Pfandleihhaus-Ratgebers» im Internet. Einige mittelständische Unternehmer hätten kaum Alternativen zum Pfandkredit. «Die können entweder ihre Gläubiger weiter warten lassen oder ihr Geschäft liquidieren», erklärt er.
Dabei können Kunden im Leihhaus nur für kurze Zeit ihre Geldnot lindern. Normalerweise wird das Pfand nach drei Monaten wieder eingelöst, der Kredit kann höchstens noch um einen Monat verlängert werden. Spätestens dann muss das Pfand eingelöst werden - sonst wird es versteigert. Über 90 Prozent der Pfänder werden laut Schedl allerdings eingelöst.
«Gewerbetreibende sind häufig Stammkunden, die immer wieder kommen,» berichtet Auto-Pfandleiher Stephan Jentsch. Die Kleinunternehmer stellen ihm Autos, Anhänger, Lastwagen und sogar Boote auf den Hof. Im Winter etwa seien häufig Bauunternehmer und Landschaftsgärtner seine Kunden, weil sie keine Aufträge hätten.
Momentan zahlt Jentsch seinen Kunden bis zu 50.000 Euro aus. Ein lukratives Geschäft: Der Zinssatz beträgt monatlich ein Prozent, hinzu kommen drei bis vier Prozent Gebühren und ein Tagessatz von mindestens 2,50 Euro für den Stellplatz. Wer sich hier 1.000 Euro leiht, muss nach drei Monaten mindestens 1.265 Euro zurückzahlen: Zinsen und Gebühren von stattlichen 26,5 Prozent für ein Vierteljahr. Die meisten Hausbanken nehmen für denselben Betrag Zinsen zwischen 3,5 und 6 Prozent - im Jahr. (© AP)




Bei Finanznot noch in diesem Jahr P-Konto zulegen
(Update 2) - Zusatzbeiträge: 150.000 säumigen Kassenmitgliedern droht Pfändung

