Home  >  Science  >  Natur+Umwelt

Forscher staunen über Garnelen unter dem Eispanzer der Antarktis

veröffentlicht am 18.03.2010


Unter dem Eispanzer der Antarktis, wo kein Sonnenstrahl sich hin verirrt, hatten die Wissenschaftler bestenfalls ein paar Mikroben erwartet. Umso mehr staunten sie, als sie in gut 180 Meter Tiefe im absoluten Dunkel höhere Lebensformen entdeckten: ein garnelenähnliches Geschöpf und eine Qualle.

 

Kommentare: 0

 

Washington - Unter dem Eispanzer der Antarktis, wo kein Sonnenstrahl sich hin verirrt, hatten die Wissenschaftler bestenfalls ein paar Mikroben erwartet. Umso mehr staunten sie, als sie in gut 180 Meter Tiefe im absoluten Dunkel höhere Lebensformen entdeckten: ein garnelenähnliches Geschöpf und eine Qualle.


Ein Team der NASA hatte eine Videokamera hinabgelassen, um erstmals einen ausführlichen Blick auf die Unterseite eines Eisschelfs in der Antarktis zu werfen. Da kam ein kurioses garnelenartiges Wesen angeschwommen und ließ sich auf dem Kamerakabel nieder. Auch ein Tentakel zogen die Forscher aus der Tiefe, das nach ihrer Einschätzung von einer etwa 30 Zentimeter langen Qualle stammt.


«Wir waren von der Annahme ausgegangen, dass da nichts ist», berichtet der Glaziologe Robert Bindschadler, der die Forschungsarbeit und ein Video am Mittwoch auf einer Tagung der Amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung vorstellen wollte. Und dann das: «Das war eine Garnele, wie man sie gern auf dem Teller hätte.» Knapp acht Zentimeter lang ist das orangefarbene Wesen. «Wir waren richtig verrückt.» Genaugenommen ist es keine Garnele, sondern ein entfernter Verwandter, ein Kleinkrebs (Amphipode) der Gruppe Lysianassidae.


Das zweiminütige Video mit dem garnelenähnlichen Hauptdarsteller dürfte Fachleute noch einmal darüber nachdenken lassen, was sie über Leben in unwirtlicher Umgebung zu wissen glauben. Wenn solch ein Tier 180 Meter unter der Antarktis in eisigem dunklen Wasser gedeiht, so spekulieren Wissenschaftler, was ist dann mit anderen lebensfeindlichen Orten? Was ist mit dem eisigen Jupitermond Europa?


«Sie haben sich vergleichsweise einen Tropfen Wasser in einem Schwimmbecken angesehen, in dem man kein Leben erwarten würde. Und sie haben nicht ein Tier gefunden, sondern zwei», sagt die Meeresbiologin Stacy Kim von den Moss Landing Marine Laboratories in Kalifornien, die später zu dem NASA-Team dazustieß. «Wir haben keine Vorstellung davon, was da unten vorgeht.»


Auch der Mikrobiologe Cynan Ellis-Evans findet die Entdeckung faszinierend. «Etwas so hoch Entwickeltes in subglazialer Umgebung, das ist eine Premiere.» Es habe schon ähnliche Funde gegeben, die komplexes Leben an zurückweichendem Eisschelf zeigten, doch noch niemals direkt unter dem Eis wie hier. Ellis-Evans hält es für möglich, dass die Tiere von weither angeschwommen kamen und nicht ständig dort leben.


Doch Kim, Ko-Autorin der Arbeit, bezweifelt das: Der Fundort liegt mindestens 19 Kilometer vom offenen Meer entfernt. Bindschadler bohrte ein Loch mit gerade 20 Zentimetern Durchmesser und betrachtete nur eine winzige Menge Wasser. Damit sei es unwahrscheinlich, dass zwei Lebewesen aus großer Entfernung hergeschwommen und rein zufällig in diesem kleinen Ausschnitt gefangen wurden, meint Kim.


Doch die Experten rätseln, wovon sich diese Geschöpfe wohl ernähren. Zwar können manche Mikroben sich Chemikalien im Meerwasser selbst zu Nahrung umwandeln, doch komplexere Lebensformen wie Amphipoden vermögen das nicht, wie Kim erklärt. Was also hält sie am Leben? Das sei die große Frage, meint die Biologin. «Es ist schon erstaunlich, ein so großes Rätsel auf einem Planeten zu finden, wo wir alles zu wissen glaubten.»  (© AP)



Schreiben Sie ein Kommentar! 

Kommentar zum Thema "Forscher staunen über Garnelen unter dem Eispanzer der Antarktis"

  Max. 25 Zeichen
 
 
 
  Sicherheitscode

Nur Kleinbuchstaben und Zahlen

 
 

 

Twitter