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17. März 2010

Darf die Kuh einen Frauennamen tragen?



Berlin - Ein üppiges, tief ausgeschnittenes Dekolleté ziert den Werbeprospekt eines Kaufhauses. Daneben steht in dicken Lettern: «Größe zählt!» Gemeint ist nicht die Körbchengröße eines neuen BH-Modells, sondern die Bildschirmgröße einer Spielkonsole. Für Volker Nickel geht das zu weit. Sein Urteil: Frauendiskriminierung. «Wichtig ist, dass Werbung im Rahmen der Gesetze, des Anstands und der Moral bleibt», sagt der Sprecher des Deutschen Werberates. Im Fall des Kaufhauses folgte eine Rüge - und das Unternehmen stellte die Dekolleté-Kampagne ein.

Jedes Jahr erhält der Werberat zwischen 500 und 1.000 Beschwerden aus der Bevölkerung. Die Proteste reichen vom Vorwurf der Jugendgefährdung und der Gewaltverherrlichung bis hin zur Verletzung religiöser Gefühle. Seit fast vier Jahrzehnten regelt der Werberat solche Konflikte zwischen Konsumenten und werbenden Unternehmen. Auch unter den 584 Beschwerden des vergangenen Jahres gab es wieder einmal teils krasse Grenzüberschreitungen, wie Werberat-Vorsitzender Hans-Henning Wiegmann am Dienstag in Berlin mitteilte. In mehr als einem Drittel aller Fälle geht es um Frauendiskriminierung.

Ein Bekleidungshersteller bewarb seine Rabattaktion mit dem Foto einer jungen Frau im Bikini, die ein Schild vor ihren Bauch hielt. Auf dem Schild stand: «Ich bin billig! Bis 60 Prozent Rabatt.» Weil die Kampagne nach Ansicht des Werberates die Gefühle von Frauen verletzte, stellte das Unternehmen die Kampagne schließlich ein. Gleiches geschah im Fall eines Frischmarkts, der im Internet mit dem Text «Wo die Steaks so saftig wie die Mädchen sind» geworben hatte.

Beschwert hatten sich einige Bürger auch über die Werbemaßnahme eines Herstellers von Espressoautomaten. Dessen Werbepost in Form einer Todesanzeige entpuppte sich erst auf den zweiten Blick als Nachricht über das «Ableben des Kaffeefilters». Nachdem der Werberat die Briefe als moralisch zweifelhaft gerügt hatte, beendete auch diese Firma ihre Kampagne.  weiterlesen >>


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