Home  >  Politik  >  Welt

Ureinwohner Hawaiis wollen Wiedergutmachung

veröffentlicht am 17.03.2010


Mehr als ein Jahrhundert nach dem Untergang ihres Königreiches könnten Ureinwohner Hawaiis für die Folgen der Kolonialisierung entschädigt werden. Rund 400.000 Bürger gehören zu dieser Gruppe. Viele von ihnen erhoffen sich nun Stammesverwaltungen, Land und finanzielle Mittel.

 

Kommentare: 0

 

Honolulu - Mehr als ein Jahrhundert nach dem Untergang ihres Königreiches könnten Ureinwohner Hawaiis für die Folgen der Kolonialisierung entschädigt werden. Rund 400.000 Bürger gehören zu dieser Gruppe. Viele von ihnen erhoffen sich nun Stammesverwaltungen, Land und finanzielle Mittel. Noch im März könnte der Senat entscheiden, das Repräsentantenhaus hat ein entsprechendes Gesetz schon angenommen. Mit der Unterstützung von Präsident Barack Obama im Rücken - er wurde in Hawaii geboren - stehen die Chancen gut für die Neuregelung.


Die geplanten Sonderrechte für die Urbevölkerung sind als Ausgleich für das Unrecht gedacht, das die Polynesier seit der Auflösung ihres Königreichs 1893 hinnehmen mussten. Bereits die ersten Europäer, die 1778 das Inselreich betraten, schleppten Krankheiten ein, auf die das Immunsystem der Ureinwohner nicht vorbereitet war. Hunderttausende starben in den folgenden Jahrzehnten. Bis heute widersetzten sich die Ur-Hawaiianer der vollständigen Assimilierung.


1993 baten die US-Regierung und das Parlament offiziell um Entschuldigung für das erlittenen Unrecht. Zufrieden mit ihrem Entwicklungsstand sind die Ureinwohner trotzdem nicht.


«Wenn man sich die Statistiken anschaut - egal ob über Krankheiten, Gefängnisinsassen, Wohlstand oder Bildung - kommen die Ureinwohner immer schlechter weg als die anderen», sagt Clyde Namuo. Er ist der Chef des Amtes für Hawaiische Angelegenheiten, einer staatlich finanzierten Behörde, die gegründet wurde, um die Lebensbedingungen der Ureinwohner zu verbessern. Es gebe noch viel zu tun, sagt Namuo: «Wir sind noch lange nicht auf dem Niveau der Kolonisten.»


Ein Teil der Ur-Hawaiianer ist deshalb frustriert, weil es den Angehörigen ihrer Bevölkerungsgruppe im Schnitt tatsächlich schlechter geht als anderen. 28 Prozent der Obdachlosen sind Ureinwohner, obwohl nur etwa jeder Fünfte zu dieser Gruppe zählt. «Die Ur-Hawaiianer haben lange genug gelitten», sagt Bert Beaman, der selbst dazu gehört. «Was die Hawaiianer kriegen können, sollten sie nehmen und dankbar sein.»


Allerdings ist noch nicht klar, was die Ureinwohner überhaupt bekämen, wenn der Senat dem Gesetz zustimmte. Die Regelung sieht Verhandlungen zwischen einer neu einzurichtenden Selbstverwaltung der Ur-Hawaiianer, dem US-Staat Hawaii und der Regierung in Washington vor. Namuo erhofft sich eine Verbesserung der Lebensbedingungen allein dadurch, dass die Ur-Hawaiianer ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen könnten.


Doch es geht auch um handfeste Dinge: Hunderte von Millionen Dollar und große Landflächen. Gegner des Gesetzes haben ausrechnen lassen, dass der Staat auf jährlich 343 Millionen Dollar (250 Millionen Euro) an Steuereinnahmen verzichten müsste, falls ein Viertel des Staatslandes auf die Ureinwohner-Verwaltung übertragen würde. «Die Regierung sollte nicht versuchen, längst vergangenes Unrecht wiedergutzumachen», sagt Jamie Story, Präsident des Grassroot Instituts von Hawaii, das sich für freien Handel und eine möglichst kleine Rolle des Staates einsetzt.


Rund 338 Millionen Dollar (246 Millionen Euro) werden derzeit vom Amt für Hawaiische Angelegenheiten treuhänderisch verwaltet. Jon Van Dyke, Juraprofessor an der Universität von Hawaii, fordert außerdem, dass die Selbstverwaltung der Ur-Hawaiianer etwa 20 Prozent der Landmasse des Inselstaats unterstellt bekommt, weil dieser Teil früher zum Königreich Hawaii gehört habe. Das wären immerhin rund 4.000 Quadratkilometer.


Was die Ur-Hawaiianer mit dem Geld und dem Land machen würden, ist eine große ungeklärte Frage, wie Kaulana Park erklärt. Er leitet die Behörde, die Ureinwohner auf dem Gebiet des ehemaligen Königreichs ansiedelt. «Niemand weiß, wo die Reise hingehen soll, egal ob es sich um wirtschaftliche Entwicklung, Gesundheit oder Siedlungspolitik geht», sagt Park.


Einige Ur-Hawaiianer sind sogar gegen den Gesetzesvorschlag, weil sie die komplette Unabhängigkeit und die Wiedererrichtung des Königreichs fordern. Doch die Mehrheit der Ur-Hawaiianer steht nach Ansicht Namuos hinter dem Vorhaben einer teilweisen Selbstverwaltung. Beispiele gibt es in den Indianergebieten, vor allem im Westen der USA und in Alaska.


Die Abstimmung über das Gesetz könnte sich bis August verzögern, doch Rechtsprofessor Van Dyke hofft, dass es spätestens dann soweit ist. «Das ist der Moment der Wahrheit», sagt er. «Ich bin zuversichtlich, dass das Gesetz angenommen wird. Und dann wird es spannend zu sehen, was passiert.»  (© AP)



Schreiben Sie ein Kommentar! 

Kommentar zum Thema "Ureinwohner Hawaiis wollen Wiedergutmachung"

  Max. 25 Zeichen
 
 
 
  Sicherheitscode

Nur Kleinbuchstaben und Zahlen

 
 

 

Twitter