Oma und Opa häufig auch erzieherisch tätig

veröffentlicht am 16.03.2010


Die neue Generation junger Omas und Opas mischt bei der Kindererziehung kräftig mit. Gut jedes zweite Schulkind (54 Prozent) gab bei einer Umfrage der Zeitschrift «Eltern Family» an, dass sie neben ihren Eltern auch von den Großeltern erzogen werden, wie das Blatt am Dienstag in München mitteilte. Die Schule kam bei der Frage: «Wer erzieht dich außer deinen Eltern?» dagegen weit abgeschlagen nur auf den zweiten Platz: 34 Prozent der befragten Acht- bis 19-Jährigen nannte Lehrer und Lehrerinnen.

 

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München - Die neue Generation junger Omas und Opas mischt bei der Kindererziehung kräftig mit. Gut jedes zweite Schulkind (54 Prozent) gab bei einer Umfrage der Zeitschrift «Eltern Family» an, dass sie neben ihren Eltern auch von den Großeltern erzogen werden, wie das Blatt am Dienstag in München mitteilte. Die Schule kam bei der Frage: «Wer erzieht dich außer deinen Eltern?» dagegen weit abgeschlagen nur auf den zweiten Platz: 34 Prozent der befragten Acht- bis 19-Jährigen nannte Lehrer und Lehrerinnen.


Auf den folgenden Rängen platzierten sich ebenfalls Familienmitglieder. So gaben 28 Prozent Onkel und Tanten an und 24 Prozent Geschwister. Freunde kamen mit 20 Prozent auf den fünften Platz und lagen damit noch deutlich vor Vereinen und Jugendgruppen (14 Prozent). Zehn Prozent sagten, dass sie neben ihren Eltern niemand erzieht. Sport-Trainer landeten auf sechs und die Kirche oder Pastoren auf fünf Prozent.


Dabei schätzten viele der 1.629 Befragten ihre Erziehungslage, wie das Blatt weiter berichtete. «Ich finde, dass man von den Medien in gewisser Weise erzogen wird, weil man da Jugendliche sieht und genauso sein will wie sie», sagte ein 14-jähriger Realschüler den Angaben zufolge.


Eine 15-jährige Gymnasiastin wurde mit den Worten zitiert: «Mein Trainer erzieht mich in Sachen Ernährung. Oft schafft er es auch, Dinge durchzubringen, die mir bei meinen Eltern unverständlich erscheinen.» Eine 11-jährige Gesamtschülerin meinte: «Wenn ich bei Oma bin, erzieht mich Oma. In der Schule die Lehrer. Bei meiner besten Freundin erzieht mich ihre Mutter mit. Und auch die Katze! Wenn etwas auf dem Boden liegenbleibt, zum Beispiel Klamotten, pinkelt sie drauf...»


Bereits in einer Ende Januar vorgestellten Studie der Stiftung Ravensburger Verlag war festgestellt worden, dass Großeltern bei der Kinderbetreuung unverzichtbar geworden sind. Demnach werden Oma und Opa als Betreuer sogar häufiger genannt als der Partner.


Die heutige Großelterngeneration sei einfach fitter und gesünder als die Generation davor, erklärte der mit der Umfrage beauftragte Mikrosoziologe Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin. Annahmen, dass durch die oft geforderte Flexibilität von Arbeitnehmern die Großeltern in unerreichbarer Ferne wohnten, seien nicht richtig. Häufig sei es so, dass zumindest ein Großelternpaar relativ nahe wohne, sagte Bertram. Durch «die vorschnelle Gleichsetzung von Haushalt und Familie» werde die große Bedeutung der Großeltern für die Entwicklung von Kindern nicht nur vernachlässigt, sondern weit unterschätzt.


Dass sich junge Väter und Mütter bei der Kinderbetreuung so stark auf ihre Eltern und soziale Netzwerke außerhalb des Haushalts verließen, sei eine Entwicklung, die erst seit etwa 20 Jahren in dieser Form zu beobachten sei, sagte Bertram. Großeltern würden aber nicht als Ersatz für fehlende öffentlich geförderte Betreuungseinrichtungen herangezogen. Der Besuch von Kindertageseinrichtungen habe sich nicht verringert.  (© AP)



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