Indien bekommt erstmals eine Parlamentspräsidentin
veröffentlicht am 03.06.2009

Indien hat erstmals in seiner Geschichte eine Parlamentspräsidentin: Das Abgeordnetenhaus in Neu-Delhi wählte am Mittwoch die 64 Jahre alte Meira Kumar zu seiner Vorsitzenden. Die Wahl ist auch deswegen von besonderer Bedeutung, weil Kumar der untersten Kaste im traditionellen indischen Gesellschaftssystem angehört. Die Dalits gelten deswegen als die «Unberührbaren».
Neu-Delhi - Indien hat erstmals in seiner Geschichte eine Parlamentspräsidentin: Das Abgeordnetenhaus in Neu-Delhi wählte am Mittwoch die 64 Jahre alte Meira Kumar zu seiner Vorsitzenden. Die Wahl ist auch deswegen von besonderer Bedeutung, weil Kumar der untersten Kaste im traditionellen indischen Gesellschaftssystem angehört. Die Dalits gelten deswegen als die «Unberührbaren».
Nach der Wahl ohne Gegenkandidaten applaudierten die Abgeordneten der Politikerin, die der regierenden Kongresspartei angehört. Neben Ministerpräsident Manmohan Singh gratulierte auch der Vorsitzende der nationalistischen Hindu-Partei BJP, L.K. Advani. Kumar ist die Tochter des ehemaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Babu Jagjivan Ram, der sich stets dafür eingesetzt hat, die Diskriminierung der Dalits zu überwinden. Die Juristin wurde fünf Mal als Abgeordnete in das Parlament von Neu-Delhi, Lok Sabha, gewählt. Sie war lange im diplomatischen Dienst und ist eine ehemalige Sozialministerin.
Das Parlament kam am Montag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Mit der Wahl Kumars zur Parlamentspräsidentin will die Kongresspartei ihr Image als Partei fördern, die für die Rechte der Frau und der unteren Kasten eintritt. Zwar hat Indien schon 1966 Indira Gandhi als erste Ministerpräsidentin und 2007 Pratibha Patil als Staatspräsidentin bestimmt. Im Alltag sehen sich Frauen aber immer noch einer vielfachen Diskriminierung ausgesetzt. So gelten Töchter traditionell als Belastung, weil ihre Familie der Familie des Bräutigams eine aufwendige Mitgift überreichen muss. (© AP)




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