USA sollen ihr Atom-Arsenal aus Europa abziehen
veröffentlicht am 15.03.2010

Seit dem Ende des Kalten Krieges ist es still geworden um das Atomwaffenarsenal der USA in Europa. Aber die als Schutzschild und Symbol der transatlantischen Verbundenheit bezeichneten Atombomben und -sprengköpfe sind noch immer in geheimen Stellungen in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Italien und der Türkei stationiert - und die Mehrheit der Bevölkerung in diesen Ländern möchte sie lieber heute als morgen loswerden. Doch eine schnelle Entscheidung Washingtons ist nicht zu erwarten.
Washington - Seit dem Ende des Kalten Krieges ist es still geworden um das Atomwaffenarsenal der USA in Europa. Aber die als Schutzschild und Symbol der transatlantischen Verbundenheit bezeichneten Atombomben und -sprengköpfe sind noch immer in geheimen Stellungen in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Italien und der Türkei stationiert - und die Mehrheit der Bevölkerung in diesen Ländern möchte sie lieber heute als morgen loswerden. Doch eine schnelle Entscheidung Washingtons ist nicht zu erwarten.
Zwar hat Präsident Barack Obama in einer vielbeachteten Grundsatzrede das Ziel einer atomwaffenfreien Welt ausgegeben. Für Washington haben aber erst einmal die Verhandlungen über strategische Atomwaffen (START) Priorität, mit denen sich die USA und Russland interkontinental - also direkt - bedrohen. Die rund 200 taktischen Atomwaffen in Westeuropa kommen erst danach auf die Tagesordnung.
Erst einmal sollten Konsultationen mit den NATO-Partnern geführt werden, verlautet aus Washington. Damit werde auf der NATO-Frühjahrstagung im April begonnen, an der auch Außenministerin Hillary Clinton teilnehmen wird, sagt der US-Botschafter bei der NATO, Ivo Daalder.
Der Standpunkt der europäischen NATO-Partner ist nicht einheitlich. Die «Altverbündeten» Deutschland, Belgien, die Niederlande, Italien und die Türkei, auf deren Boden die Waffen stationiert sind, würden sie wohl gerne rasch loswerden. Nicht aber die neuen Mitglieder im Osten, die genau auf den Punkt vertrauen, der damals die Stationierung amerikanischer Atomwaffen in Westeuropa begründete: Dass die USA die europäischen Verbündeten damit unter ihren atomaren Schutzschild nähmen und ihnen ersparten, selbst Atomwaffen zu entwickeln.
Abgeordnete mehrerer europäischer Parlamente haben Obama in einem offenen Brief aufgefordert, die Frage der US-Atomwaffen nach dem Abschluss der START-Verhandlungen vorrangig zu behandeln. «Es ist der tiefe Wunsch der Mehrheit der Menschen in Europa, dass taktische Atomwaffen zurückgezogen und eliminiert werden», heißt es in dem Brief, der vom Global Security Institute zitiert wird, einer für atomare Abrüstung eintretenden Organisation.
In einer von US-Verteidigungsminister Robert Gates noch vor Obamas Amtsantritt in Auftrag gegebenen Bestandsaufnahme heißt es, der Zustand der taktischen Atomwaffen in Europa habe sich seit 1995 erheblich verschlechtert. Die Einsatzbereitschaft sei nun «eher in Monaten als in Minuten» zu erreichen. US-Generäle im NATO-Stab im europäischen Hauptquartier in Mons hielten sie zudem für überflüssig - der atomare Schutzschild könne auch mit außerhalb Europas stationierten Waffensystemen für die Verbündeten gewährleistet werden.
Genau dies ist in Asien schon seit Anfang der 90er Jahre der Fall: Unter Präsident George Bush wurden die taktischen Atomwaffen aus Japan und Südkorea abgezogen. Die Region wird seitdem von Langstreckensystemen abgedeckt. (© AP)




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