Hoffnung auf Sinkende Bankautomaten-Gebühren
veröffentlicht am 15.03.2010

Bankkunden können auf sinkende Gebühren beim Geldabheben an fremden Automaten hoffen. Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben mehr als 280 Kreditinstitute ins Visier genommen, die im Verdacht stehen, zu hohe Entgelte von Verbrauchern und anderen Banken zu verlangen. Verbraucherschützer begrüßten das Vorgehen des Kartellamtes und zeigten sich optimistisch, dass viele Banken nun ihre «Preispolitik» überdenken könnten.
Bonn - Bankkunden können auf sinkende Gebühren beim Geldabheben an fremden Automaten hoffen. Das Bundeskartellamt hat nach eigenen Angaben mehr als 280 Kreditinstitute ins Visier genommen, die im Verdacht stehen, zu hohe Entgelte von Verbrauchern und anderen Banken zu verlangen. Verbraucherschützer begrüßten das Vorgehen des Kartellamtes und zeigten sich optimistisch, dass viele Banken nun ihre «Preispolitik» überdenken könnten.
Kunden, die Geld an fremden Automaten abheben, werden häufig kräftig zur Kasse gebeten. So verlangen einzelne Banken bis zu zehn Euro fürs Fremdabheben, wie Markus Feck, Banken-Experte bei der Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen, erklärt. «Das steht in keinem Verhältnis zu den abgehobenen Beträgen», betont der Jurist.
Nach Angaben von Michael Goldmann, Vorsitzender des Verbraucherausschusses des Bundestags, liegt die durchschnittliche Gebührenbelastung für den Verbraucher derzeit bei fast sechs Euro. Eine durchschnittliche Transaktion koste die Institute aber nur etwa 70 Cent, sagte der FDP-Politiker der Zeitung «Euro am Sonntag», die am Wochenende über die Ermittlungen des Kartellamts berichtet hatte.
Eine Sprecherin des Kartellamts erklärte, man sei aufgrund von Beschwerden von Verbrauchern wie auch einzelner Banken über die Höhe der Entgelte tätig geworden. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf Wettbewerbsbeschränkung, verbotene Diskriminierung und Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Die 280 Kreditinstitute müssten nun bis Ende März Fragebögen ausfüllen, die der Behörde einen Überblick über die Sachlage verschaffen sollen. Erst danach werde über die Einleitung eines formellen Verfahrens gegen die Institute entschieden. «Wegen der umfangreichen Auswertung, die uns erwartet, könnte das aber noch Monate dauern», sagte die Sprecherin.
Unabhängig vom Ergebnis der Prüfungen hofft Verbraucherschützer Feck schon jetzt auf ein Umdenken bei vielen Banken. Dies könnte ein Signal sein, die Preispolitik endlich transparenter zu gestalten und die Kosten auch zu senken. Gerade im vergangenen Jahr sei bei vielen Banken noch einmal deutlich an der Preisschraube gedreht worden. «Uns geht es vor allem darum, dass die Verbraucher vergleichen können und wissen, was an Entgelten beim Fremdabheben auf sie zukommt», betonte er.
Eine Ende Januar veröffentlichte Studie der FMH Finanzberatung hatte gezeigt, dass Kunden beim Abheben an einer fremden Bank häufig nicht sehen können, wie viel Geld sie dafür zahlen müssen. Auch Bankmitarbeiter haben demnach nicht immer gewusst, wie hoch die Gebühren seien.
Der Zentrale Kreditausschuss, der die Bankenverbände repräsentiert, wollte sich am Montag nicht zu den Ermittlungen des Bundeskartellamts äußern. Eine Sprecherin verwies lediglich auf ein Spitzengespräch am kommenden Mittwoch, zu dem der Verbraucherschutzausschuss anlässlich der seit Monaten anhaltenden Debatte über Gebühren an Geldautomaten nach Berlin geladen hat.
Eine gesetzliche Regulierung zur Beseitigung der Problematik schloss der FDP-Politiker Goldmann in der «Euro am Sonntag» nicht aus. «Ich will nicht gleich die Gesetzeskeule schwingen. Fakt ist aber, dass im Interesse der Verbraucher schnell gehandelt werden muss», sagte er.
Bis 1997 hatte es bei Barabhebungen an Bankautomaten eine einheitliche Gebühr von vier Mark gegeben. Diese Praxis ist von den Sparkassen aufgekündigt worden mit der Begründung, sie müssten die umfassendste Infrastruktur an Bankautomaten unterhalten, von der kleinere Verbünde profitierten. Seitdem betreiben die Banken eine Art Mischkalkulation mit sehr unterschiedlichen Gebühren.
Laut der FHM-Untersuchung sind die Gebühren binnen eines halben Jahres um rund 13 Prozent auf durchschnittlich 5,64 Euro gestiegen. Hintergrund ist offenbar der verschärfte Wettbewerb unter den Instituten, insbesondere zwischen ländlichen Banken und Direktbanken. (© AP)




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