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"Die 4. Revolution": Predigt für Sonne, Wind und Öko-Moral

veröffentlicht am 15.03.2010


«Die 4. Revolution» handelt von der Notwendigkeit, fossile Rohstoffe wie Erdöl, Gas und Kohle durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Der Star unter den alternativen Energielieferanten ist die Sonne, die gratis und umweltfreundlich vom Himmel scheint.

 

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Frankfurt/Main - «Die 4. Revolution» handelt von der Notwendigkeit, fossile Rohstoffe wie Erdöl, Gas und Kohle durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Der Star unter den alternativen Energielieferanten ist die Sonne, die gratis und umweltfreundlich vom Himmel scheint. Und da sich im lichtarmen Mitteleuropa die leidenschaftlichsten Sonnenanbeter befinden, führt in dem am 18. März anlaufenden Film der deutsche Solarpapst Hermann Scheer das Wort.


Das Thema ist zu wichtig für einen bloßen Werbefilm, doch als solcher entpuppt sich dieser vermeintliche Dokumentarfilm leider. Es versammelt zwar ein Potpourri von globalen Projekten, in denen neue Wege bei der Energieversorgung eingeschlagen werden. Doch dabei handelt es sich meist um, von Schmusemusik untermalte, erbauliche Stimmungsbilder mit bescheidenem Informationsgehalt. Als Buhmann dient Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energie-Agentur (IEA), der in seinem Büro ein paar Sätze über die Unmöglichkeit einer baldigen Umstellung auf Erneuerbare sagen darf und für Kohle und Atom plädiert.


Der Film informiert darüber, dass Birol einst im Dienste des Öl-Kartells OPEC stand, also zur Fossil-Lobby gehört. Im Zentrum befindet sich aber Sonnenkönig Scheer, der sich zwischendurch mit Tiraden gegen eine «feige Elite» einschaltet und der, statt zu argumentieren, im Agitprop-Vokabular predigt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete, Präsident des Vereins Eurosolar, hat unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz mit entwickelt und Partei-Karriere als Solar- und Energieexperte gemacht. In verantwortlicher Regierungsposition konnte der Buchautor seine Visionen jedoch noch nie in die Praxis umsetzen, was der Film aber unterschlägt.


Zuletzt vereitelte das Scheitern der SPD bei der Hessenwahl 2008 das Comeback des Sozialwissenschaftlers als hessischer Wirtschaftsminister, worüber nicht alle in der Partei unglücklich waren. Und so sympathisch das Anliegen auch ist: Regisseur Carl-A. Fechner hätte besser daran getan, besonders jene Auftritte des Energiegurus, in denen Studenten an seinen Lippen hängen, zu streichen. Allzu oberflächlich werden stattdessen Unternehmer und Initiativen abgehakt, wie etwa in einer Region in Dänemark, die seit langem mit Windkraft versorgt wird, aber auch in Mali, China und Spanien.


In Kalifornien träumt Elon Musk, Hersteller der elektrobetriebenen Tesla-Sportwägen, von «E-Flugzeugen». Und man sieht und staunt, wie in Bangladesch Frauen in Saris auf den Dächern Solarmodule installieren - eine Initiative, die auf Nobelpreisträger Muhammed Yunus, den Erfinder der Mikro-Kredite, zurückgeht. Im Gegensatz zu den Mitgliedern des Öko-Jet Sets wie Bianca Jagger, die ganzheitlich bewegt im Amazonas herumstapft, kommen die direkt Betroffenen allerdings so gut wie nie zu Wort. Ein Tabuthema der Filmemacher ist übrigens der schnöde Mammon - wenn auch nicht die Milliardengewinne herkömmlicher Energiekonzerne.


Man hätte aber schon gern gewusst, wie hoch die Subventionen für die Solarindustrie im Vergleich zu Atom und Kohle sind. Und wenn der Energieverbrauch des hoch industrialisierten Europa mit seinen langen Heizperioden anklagend mit dem Energieverbrauch Afrikas verglichen wird, erscheint das ein bisschen ungerecht. Dass mancher unerleuchtete Häuslebesitzer sein Geld statt in eine Solarheizanlage lieber in ein Dutzend Winterurlaube in Südafrika investiert, dürfte Weltretter Scheer auch nicht bedacht haben. «Der finanzielle Anreiz zählt, nicht moralische Appelle», weiß dagegen der alte Stromer von der IEA. Kein Wunder, dass immer der Klassenfeind gewinnt.  (© AP)



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