Rom - Der Vatikan hat Papst Benedikt XVI. gegen Vorwürfe verteidigt, er sei direkt in die Skandale um pädophile Priester in seiner deutschen Heimat verwickelt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte am Samstag im Rundfunksender des Kirchenstaats, es habe in den vergangenen Tagen Versuche gegeben, Benedikt «mit einer gewissen aggressiven Beharrlichkeit» in Missbrauchsfälle in Regensburg und München hineinzuziehen. «Für jeden objektiven Beobachter ist klar, dass diese Versuche gescheitert sind», sagte Lombardi.
Die Münchner Erzdiözese hatte am Freitag bestätigt, dass sie einen wegen Kindesmissbrauchs aufgefallenen Priester in der Gemeindearbeit eingesetzt habe. Dort habe er sich erneut an Jugendlichen vergangen und sei dafür verurteilt worden. Benedikt soll 1980 - damals als Erzbischof Joseph Ratzinger von München - dem Umzug des pädophilen Priesters von Essen nach München zugestimmt haben. Zudem gab es Kritik an einer von Benedikt 2001 als Kardinal Ratzinger erlassenen Direktive, Missbrauchsfälle vertraulich zu behandeln.
Lombardi verwies in seiner Zurückweisung der Kritik auf ein Interview des Anklägers in der Glaubenskongregation, Bischof Charles Scicluna, in der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz, «Avvenire» vom Samstag. Scicluna erklärt darin, dass Benedikt streng mit Missbrauchsfällen umgegangen sei. «Den jetzigen Papst des Verheimlichens (solcher Fälle) zu beschuldigen ist falsch und verleumderisch», wird der Vatikan-Ankläger zitiert. Als für die Verfolgung von Missbrauchsfällen zuständiger Kardinal habe Benedikt «Weisheit und Strenge» gezeigt.