Vorsicht bei der Einnahme von Probiotika
veröffentlicht am 13.03.2010

Probiotika gelten als schonende Option, um Darm und Immunsystem auf Trab zu bringen. Aber bei der Einnahme solcher Medikamente, die lebende Bakterien enthalten, sollten Patienten vorsichtig sein, mahnt Peter Deibert von der Universitätsklinik Freiburg in der «Deutschen Medizinischen Wochenschrift». Für etliche Erkrankungen sei der Nutzen nicht klar erwiesen, bei manchen Beschwerden können die Präparate sogar Schaden anrichten.
Stuttgart - Probiotika gelten als schonende Option, um Darm und Immunsystem auf Trab zu bringen. Aber bei der Einnahme solcher Medikamente, die lebende Bakterien enthalten, sollten Patienten vorsichtig sein, mahnt Peter Deibert von der Universitätsklinik Freiburg in der «Deutschen Medizinischen Wochenschrift». Für etliche Erkrankungen sei der Nutzen nicht klar erwiesen, bei manchen Beschwerden können die Präparate sogar Schaden anrichten.
Der Darm beherbergt auf einer Fläche von etwa 300 Quadratmetern zehn Mal mehr Bakterien als der menschliche Körper Zellen hat. Der Aufbau der Darmflora beginnt nach der Geburt und ist für die Reifung der Immunabwehr enorm wichtig. Denn mehr als die Hälfte aller Abwehrzellen befinden sich im Darm, den Deibert deshalb als Schule des Immunsystems bezeichnet.
Störungen der Darmflora im Kindesalter können zu einer Fehlprogrammierung der Körperabwehr führen. Gefährdet sind schon Frühgeborene, denen in den ersten Lebenstagen eine schwere Darminfektion droht, die nekrotisierende Enterokolitis. Hier könne die Behandlung mit Probiotika mitunter einen tödlichen Verlauf verhindern, warnt der Mediziner.
Bei Säuglingen begünstigt eine gestörte Darmflora die Entstehung einer Neurodermitis. Allerdings belegen Studien bislang nicht eindeutig, dass Probiotika eine solche Erkrankung verhindern oder bessern. Auch zur Therapie von Durchfallerkrankungen wird die Rolle der Probiotika überschätzt.
Sinnvoll ist ihr Einsatz dagegen nach Einnahme von Antibiotika, um Durchfallerkrankungen zu verhindern. Auch beim Reizdarm-Syndrom können solche Präparate Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder Schmerzen lindern. Und bei Patienten, denen der Dickdarm entfernt wurde, beugen Probiotika gegen Entzündungen vor. Nicht belegt ist ein Nutzen dagegen bei der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn.
Unter Umständen können Probiotika auch gefährlich werden. So kam es einer Studie an Patienten mit akuten Entzündungen der Bauchspeicheldrüse nach Einnahme solcher Medikamente vermehrt zu Todesfällen, wie Deibert betont. Auch nach einer Darmverkürzung rät der Experte zu Vorsicht beim Einsatz solcher Mittel. (© AP)




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