Kindesmissbrauch bei Regensburger Domspatzen bis in die 90er hinein?

veröffentlicht am 13.03.2010


Bei den Regensburger Domspatzen sollen sexueller Missbrauch und Misshandlungen länger praktiziert worden sein als bisher bekannt. Wie der «Spiegel» am Samstag berichtet, kam es nach Aussagen von Betroffenen noch mindestens bis 1992 zu sexuellen Übergriffen auf Schüler. Bislang waren nur Fälle aus den 50er und 60er Jahren bekannt.

 

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München - Bei den Regensburger Domspatzen sollen sexueller Missbrauch und Misshandlungen länger praktiziert worden sein als bisher bekannt. Wie der «Spiegel» am Samstag berichtet, kam es nach Aussagen von Betroffenen noch mindestens bis 1992 zu sexuellen Übergriffen auf Schüler. Bislang waren nur Fälle aus den 50er und 60er Jahren bekannt. Demnach sagte ein Ex-Schüler dem Magazin, dass er bis zum Verlassen des Internats 1992 sexuelle und körperliche Gewalt als allgegenwärtig erlebt habe.


Er selbst sei im Internat von älteren Schülern vergewaltigt worden, auch in der Wohnung eines Präfekten sei es zu Analverkehr zwischen Schülern gekommen, zitiert der «Spiegel» den Ex-Schüler: «Die haben den Druck eines totalitären Systems eben weitergegeben.» Das Bistum Regensburg wollte sich laut «Spiegel» zu den Vorwürfen nicht äußern.


Auch der Chorchef und Papstbruder Georg Ratzinger wurde dem Bericht zufolge von ehemaligen Domspatzen als «extrem cholerisch und jähzornig» erlebt. So habe Ratzinger noch Ende der 80er Jahre bei Chorproben erzürnt Stühle in die Reihen der Männerstimmen geworfen. Einmal habe sich der Domkapellherr so erregt, dass ihm sogar das Gebiss herausgefallen sei. Der 86-jährige Ratzinger wollte sich laut «Spiegel» dazu ebenfalls nicht äußern. Zuvor hatte er eingeräumt, bis zum Ende der 70er Jahre in den Chorproben selbst hin und wieder Ohrfeigen verteilt zu haben. Doch habe er nie jemanden «grün und blau» geschlagen.


Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sprach sich für eine Aufhebung des Pflichtzölibats der Priester aus. Die Kirche müsse «Konsequenzen struktureller Art ziehen und dabei reflektieren, ob es kirchenspezifische Bedingungen gibt, die den Missbrauch begünstigten», sagte Glück der Süddeutschen Zeitung. «Dazu gehört zweifellos eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema Sexualität, angefangen vom Umgang damit bis hin zur Auswahl des kirchlichen Personals.» Die Lockerung des Pflichtzölibats sei «ein Weg», sagte Glück, allerdings sei damit das Problem alleine nicht gelöst.


Die Welle an bekannt gewordenen Missbrauchsfällen bezeichnete der ZdK-Präsident und frühere CSU-Politiker als «Alptraum»: «Es ist die schwerste Belastung unserer Kirche, seit ich denken kann.» Die Kirche müsse nun den «Willen zur vorbehaltlosen Aufklärung» der Missbrauchsfälle beweisen. Oberstes Gebot müsse dabei sein, die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen, und nicht zu versuchen, durch Schweigen das Ansehen der Kirche zu schützen, forderte Glück: «Wer hier nicht mitgeht, gefährdet die Glaubwürdigkeit der Kirche, oder anders ausgedrückt: Er versündigt sich an den Opfern und der Kirche.»  (© AP)



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