Kindesmissbrauch: Kritik an katholischer Kirche reißt nicht ab
veröffentlicht am 11.03.2010

Wegen des Umgangs mit Missbrauchsfällen ist neue Kritik an der katholischen Kirche laut geworden. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle rief die Kirche dazu auf, in Missbrauchsfällen künftig die Meldepflichten konsequent einzuhalten. Auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, kritisierte, dass die Strafverfolgung nicht immer rechtzeitig in die Wege geleitet worden sei.
Frankfurt/Main - Wegen des Umgangs mit Missbrauchsfällen ist neue Kritik an der katholischen Kirche laut geworden. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle rief die Kirche dazu auf, in Missbrauchsfällen künftig die Meldepflichten konsequent einzuhalten. Auch der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler, kritisierte, dass die Strafverfolgung nicht immer rechtzeitig in die Wege geleitet worden sei.
«Wir haben leider erlebt, dass in der Vergangenheit kircheninterne Meldepflichten und die Vorschriften der Schulaufsicht, Straftatbestände sofort zu melden, bewusst unterlaufen wurden», sagte der CSU-Politiker Spaenle der «Passauer Neuen Presse».
In der Missbrauchsaffäre insgesamt gehe es ihm darum, «dass wir konsequent auf eine Null-Toleranz-Strategie setzen», erklärte der Minister weiter. Trotz der «Häufung der Fälle in kirchlichen Einrichtungen» warnte Spaenle vor «pauschalen Schuldzuweisungen gegenüber kirchlichen Mitarbeitern oder kirchlichen Trägern».
Der FDP-Politiker Stadler verwies im ZDF darauf, dass in der Vergangenheit Missbrauchsfälle nicht ans Licht gekommen seien. Der FDP-Politiker äußerte die Hoffnung, dass die aktuelle Debatte auch eine präventive Wirkung habe. Diese ergebe sich jedoch auch aus einer Strafverfolgung - «und die ist in der Vergangenheit nicht rechtszeitig in die Wege geleitet worden».
Stadler erklärte außerdem, dass es zum Thema Missbrauch zwei Runde Tische gebe, da auch zwei unterschiedliche Bereiche bearbeitet werden sollen: «Die Ministerinnen Schavan und Schröder wollen vor allem über Prävention sprechen. Bei uns geht es um juristische Fragen.»
Themen am Runden Tisch des Bundesjustizministeriums seien etwa die schnellere Durchsetzbarkeit des staatlichen Strafanspruches und die Möglichkeit einer Entschädigung für die Opfer. Das Justizministerin habe dazu den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zu einem Gespräch für den 25. März eingeladen. Man habe die Erwartung, dass es zu dem Gespräch kommen werde, «auch wenn die Bischöfe bereits angekündigt haben, nur an dem anderen Runden Tisch teilnehmen zu wollen».
Zur Verlängerung der Verjährungsfristen werde man sehr rasch eine Gesetzesvorlage unterbreiten. «Die Gesetze werden noch vor der Sommerpause von uns auf den Weg gebracht. Bundestag und Bundesrat müssen dann entscheiden», sagte Stadler weiter.
Weitere Hinweise auf sexuellen Missbrauch und Schikanen zu DDR-Zeiten gibt es derweil in einem Heim für Kinder und Jugendliche im sächsischen Eilenburg. Wie die «Leipziger Volkszeitung» berichtet, melden sich immer mehr Betroffene. Eine ehemalige Bewohnerin gab demnach an, dass Kinder nackt durchs Treppenhaus laufen mussten. Erzieher hätten ihnen zwischen die Beine und an die Brüste gefasst. Die Frau lebte zwischen 1967 und 1969 in dem DDR-Spezialheim für «erziehungsauffällige Kinder».
Bereits zuvor hatte sich bei der Zeitung ein ehemaliger Bewohner gemeldet, der von täglichen sexuellen Übergriffen zwischen 1970 und 1980 berichtete. Die Caritas hatte die Einrichtung 1994 übernommen. Die heutige Leitung kündigte an, die Opfer unterstützen zu wollen. (© AP)




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