Taipeh - In der asiatischen Hightech-Schmiede Taiwan floriert nicht nur die IT-Branche, sondern auch das Bestattungsgewerbe. Fast 2.000 Bewerbungen gingen kürzlich für zehn vom Unternehmen Lung Yen ausgeschriebene Stellen ein. Hauptanreiz ist das Geld, das sich damit verdienen lässt.
Ein voll ausgebildeter und staatlich zugelassener Bestatter kann bei dem hochkarätigen Beerdigungsinstitut bis zu 1,2 Millionen Taiwanesische Dollar (umgerechnet gut 27.000 Euro) verdienen. Das entspricht etwa dem durchschnittlichen Einstiegsgehalt eines Ingenieurs. Und es ist das Doppelte, was eine Friseurin nach Hause bringt. Rund 1.100 Bestatter mit Lizenz gibt es in Taiwan.
Das Gewerbe hat in den vergangenen Jahren versucht, mit Werbekampagnen das unangenehme Image aufzumöbeln, das der Umgang mit Leichen für viele hat. «Wenn man in der Vergangenheit seinen Eltern erzählt hat, dass man in einem Bestattungsunternehmen arbeiten will, sind sie ausgerastet», erzählt Fung Chia-li, Managerin bei der Chin Pao San Gruppe, einem weiteren taiwanesischen Beerdigungsinstitut. «Jetzt wird der Beruf durchaus geachtet, wenn auch wohl nicht so sehr wie der eines Lehrers oder Ingenieurs.»
Seinen Teil zu einem anderen Bild des Berufs in der Öffentlichkeit mag auch der Film «Departures» beigetragen haben. Der japanische Streifen, der 2009 den «Oscar» als bester ausländischer Film gewann, erzählt von einem arbeitslosen Cellisten, der Würde und Erfüllung darin findet, Tote einzubalsamieren. weiterlesen >>