Pfusch am Bau: Baugewerbe gibt Politik Mitschuld
veröffentlicht am 07.03.2010

Das Baugewerbe macht die Politik mitverantwortlich für Pfusch bei der Ausführung öffentlicher Aufträge wie dem U-Bahn-Bau in Köln und Düsseldorf. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein, sagte der Zeitung «Rheinpfalz am Sonntag»: «Der Staat hat als öffentlicher Bauherr maßgeblichen Anteil am sinkenden Qualifikationsniveau auf den Baustellen.»
Köln/Landau - Das Baugewerbe macht die Politik mitverantwortlich für Pfusch bei der Ausführung öffentlicher Aufträge wie dem U-Bahn-Bau in Köln und Düsseldorf. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein, sagte der Zeitung «Rheinpfalz am Sonntag»: «Der Staat hat als öffentlicher Bauherr maßgeblichen Anteil am sinkenden Qualifikationsniveau auf den Baustellen.»
So sei die Zahl der Fachwerker wie auch der Facharbeiter in den vergangenen Jahren um jeweils 37 Prozent zurückgegangen. Einen der entscheidenden Gründe dafür sieht das Baugewerbe in dem harten Preiswettbewerb. Die Personalkosten hätten in einem Maße sinken müssen, wie es nur mit Subunternehmen und Dumpinglöhnen möglich gewesen sei. Fachpersonal sei kaum noch zu bezahlen.
Nach den Bestimmungen für die Auftragsvergabe müsse das wirtschaftlichste, aber nicht das billigste Angebot von Unternehmen genommen werden. Wer glaube, mit immer mehr gering- oder unzureichend qualifizierten Mitarbeitern mehr Qualität erreichen zu können, der irre, betonte Loewenstein.
Auch die Änderung an der Handwerksordnung habe dazu geführt, dass zu großen Teilen aus Osteuropa stammende weitgehend unqualifizierte Bauarbeiter als Scheinselbstständige auf den Baustellen tätig seien. Loewenstein erklärte, die Verbände hätten früh auf die Konsequenzen aufmerksam gemacht, doch die damalige rot-grüne Bundesregierung habe die Warnungen in den Wind geschlagen. Deshalb dürfe man sich nicht wundern, «wenn der Pfusch allgegenwärtig wird». Mit Strafverschärfung lasse sich allerdings nur wenig bewirken.
Im Fall der Düsseldorfer U-Bahn hat ein Bauarbeiter einem Bericht zufolge Manipulationen bei den Protokollen zugegeben. Der mittlerweile suspendierte Mitarbeiter der Firma Bilfinger Berger habe angegeben, die für die Vermessung der Schlitzwände notwendigen Gerätschaften seien gelegentlich ausgefallen, berichtet der «Kölner Stadt-Anzeiger». In diesen Fällen seien die fehlenden Daten per Hand ergänzt und somit frei erfunden worden, um pünktlich Feierabend zu haben und nicht noch Überstunden machen zu müssen.
Der Zeitung zufolge bestätigte ein Sprecher der am Bau der Kölner U-Bahn beteiligten Unternehmen, die teilweise auch in Düsseldorf tätig sind, das Geständnis des Bauarbeiters. Die erfundenen Daten jedoch seien «in dem Bewusstsein nachgetragen worden, dass die Schlitzwände korrekt gesetzt wurden». (© AP)




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