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06. März 2010
Ausspionieren von künftigen Ehepartnern in Indien boomt
Neu-Delhi - Ajit Singh kennt so gut wie jede Lüge. Er hat Menschen im Labyrinth der Gassen von Neu-Delhi verfolgt. Er fotografiert sie, wenn sie die Wohnung eines Liebhabers verlassen, hört sie von angeblich hohen Gehältern prahlen und weiß, wenn sie Krankheiten verschweigen. Der dürre Mann in einem schlecht sitzenden Anzug arbeitet aber nicht als zwielichtiger Privatermittler: Er ist Hochzeitsdetektiv. Seit in Indien arrangierte Ehen zunehmend von Liebesheiraten abgelöst werden, erfährt dieser Beruf eine starke Aufwertung. hochzeit
«Heutzutage muss man prüfen, ob die Menschen die Wahrheit sagen. Und genau da kommen wir ins Spiel», sagt Singh. «Ist dieser Junge wirklich gebildet? Verdient er wirklich das hohe Gehalt? Oder treibt er oder sie sich herum?» Ein zukünftiger Bräutigam kann wie ein netter junger Mann wirken und so, als ob er aus guter Familie kommt. Doch nach fast zwei Jahrzehnten als Betreiber seiner Agentur «Hatfield Detectives» weiß Singh, wie wenig das bedeuten kann: «Du hast keine Ahnung, was der Junge wirklich mit seiner Zeit anfängt.» Die Detektive jedoch sind bereit, genau dies heraus zu finden.
Aus einem Service für Wohlhabende ist inzwischen ein genereller Trend geworden. «Früher waren wir ein Luxus für jemanden mit Unmengen an Geld. Heute will jede Familie so viel wie möglich wissen», sagt Baldev Puri. Der 45-Jährige ist Gründer von AMX, eines großen Detektiv-Büros mit Sitz in Neu-Delhi. Ein Drittel seiner Einkünfte erzielt die Agentur mit Ermittlungen zu Leben künftiger Ehepartner.
Den Verlobten der Tochter überwachen lassen? Sein Gehalt erfahren? Wissen, ob er trinkt und sich in Bars herumtreibt? Vielleicht auch seine Blutgruppe? Alles kein Problem. Eine Basis-Ermittlung kostet umgerechnet rund 225 Euro. Das ist nicht wenig bei einem Pro-Kopf-Einkommen von knapp 670 Euro im gesamten Jahr. Dennoch stellen Detektiv-Büros immer öfter Rechnungen aus, die in die Tausende gehen. weiterlesen >>

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