Durchschnittsbürger statt Waffennarren

veröffentlicht am 02.03.2010


Vier Einwohner von Chicago geben dem Streit um das Waffenrecht der USA ein neues Gesicht. David und Colleen Lawson, Otis McDonald und Adam Orlov entsprechen nicht dem Klischee von waffenvernarrten Amerikanern, die ihre Wochenenden am liebsten auf dem Schießstand verbringen und hinter jedem Fremden einen Verbrecher vermuten. Vielmehr sind es vier Durchschnittsbürger, die am Dienstag vor den Obersten Gerichtshof der USA ziehen, um sich das Recht zu erstreiten, sich notfalls mit der Pistole zu verteidigen.

 

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Chicago - Vier Einwohner von Chicago geben dem Streit um das Waffenrecht der USA ein neues Gesicht. David und Colleen Lawson, Otis McDonald und Adam Orlov entsprechen nicht dem Klischee von waffenvernarrten Amerikanern, die ihre Wochenenden am liebsten auf dem Schießstand verbringen und hinter jedem Fremden einen Verbrecher vermuten. Vielmehr sind es vier Durchschnittsbürger, die am Dienstag vor den Obersten Gerichtshof der USA ziehen, um sich das Recht zu erstreiten, sich notfalls mit der Pistole zu verteidigen.


Die beiden mächtigen Lobbygruppen, mit denen die vier gemeinsam den Prozess bestreiten, halten sich lieber im Hintergrund. So zählt auch die Second Amendment Movement zu den Klägern, eine Organisation die sich nach dem zweiten Verfassungszusatz benannt hat, das jedem Bürger das Recht einräumt, Waffen zu tragen. Auch die Waffenbesitzer-Organisation Illinois State Rifle Association klagt gegen die Vorschriften der Stadt Chicago, die Waffenverkauf und -besitz seit 28 Jahren verbietet.


In den USA ist ein solches Verbot ungewöhnlich. Nachdem das oberste Bundesgericht bereits das Waffenverbot in Washington gekippt hat, geht es nun um die Frage, ob die damalige Begründung in allen Staaten und Städten anwendbar ist.


Wenn eine der beiden Interessengruppen als Hauptkläger gegen Waffenverbote aufträte, erschiene der ganze Prozess in einem anderen Licht. So aber kann etwa das Ehepaar Lawson erklären, wieso es sich mit einem gelockerten Waffenrecht deutlich besser fühlen würde. Damals, im Jahr 2006, als Colleen Lawson mit Grippe zu Hause blieb, entstand die Angst, die bis heute nicht verflogen ist. Drei Männer versuchten, mit einem Brecheisen die Hintertür des Hauses aufzubrechen. Als sie Colleen Lawson sahen, liefen sie davon.


Doch seitdem befürchten die Lawsons, dass wieder Einbrecher kommen könnten. Die Frau erinnert sich an ihre Großmutter, die stets eine Pistole in ihrer Schürze mit sich herumtrug. «Ich hatte keine Zweifel, dass meine Großmutter in der Lage war, uns zu verteidigen», sagt sie. «Meinen Kindern kann ich das nicht sagen.»


Auch dem 76 Jahre alten Otis McDonald geht es um seine persönliche Sicherheit. Sein Haus hat er sich mit jahrelanger Arbeit verdient. Doch in den vergangenen Jahren musste er mit ansehen, wie die Wohngegend zunehmend verkam. Von ruhigen Nächten kann schon lange keine Rede mehr sein, stattdessen hört er Schüsse, zersplitternde Glasflaschen und Schreie von Betrunkenen. In sein Haus wurde schon drei Mal eingebrochen, einmal bedrohte ein Mann McDonald mit dem Tode bedroht, weil dieser nach einer Schießerei die Polizei verständigt hatte.


All diese Details liefern den Waffenbefürwortern Argumente: Das Verbot treffe nur die braven Bürger, die Waffen bräuchten, um sich gegen die zu verteidigen, die ohnehin welche hätten. So sieht es auch Adam Orlov, der vierte Kläger. «Je strikter man sich an die Gesetze hält, desto eher wird man zum Opfer von Verbrechern», sagt der 40-Jährige. Der Geschäftsmann war vier Jahre lang Polizist und hätte nun gerne die gleichen Möglichkeiten zur Selbstverteidigung wie früher.


Die Waffenlobby freut sich über derartige Musterbürger, mit denen sich die Richter vielleicht leichter überzeugen lassen. Denn ohne die vier Durchschnittsamerikaner an der Spitze würde der Fall bloß aussehen wie ein Prozess von Lobbyisten, um einen politischen Sieg zu erringen. Eigentlich sollte sich das Gericht aber nicht davon beeindrucken lassen, wer klagt. Justitia ist schließlich blind.


Experten sehen aber zumindest die Möglichkeit, das Image der Waffenbesitzer zu verbessern: «Das ist eine effektive Kommunikationsstrategie, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass viele normale Leute für ein Recht auf Waffenbesitz kämpfen», sagt Adam Samaha, Dozent für Verfassungsrecht an der Universität von Chicago. «Es soll zeigen, dass das nicht alles Spinner sind.»  (© AP)


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Waffenrecht

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