Islamistenprozess: Sauerland-Terroristen hoffen auf Milde des Gerichts
veröffentlicht am 02.03.2010

Ein Blutbad unvorstellbaren Ausmaßes soll das Ziel der vier angeklagten Sauerland-Terroristen gewesen sein. Hunderte US-Soldaten, aber auch Zivilisten hätten nach Ansicht der Bundesanwaltschaft bei den geplanten Autobombenanschlägen auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland sterben können. In ihrem Schlusswort sagten sich drei der vier Islamisten vom Terrorismus los und bedauerten ihre Pläne.
Düsseldorf - Ein Blutbad unvorstellbaren Ausmaßes soll das Ziel der vier angeklagten Sauerland-Terroristen gewesen sein. Hunderte US-Soldaten, aber auch Zivilisten hätten nach Ansicht der Bundesanwaltschaft bei den geplanten Autobombenanschlägen auf amerikanische Einrichtungen in Deutschland sterben können. In ihrem Schlusswort sagten sich drei der vier Islamisten vom Terrorismus los und bedauerten ihre Pläne.
Nun müssen die Richter am Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf entscheiden, inwieweit sie der Reue der Männer Glauben schenken und wegen deren umfangreicher Geständnisse möglicherweise Milde walten lassen. Das Urteil des Staatsschutzsenats wird am Donnerstag erwartet.
Im Düsseldorfer Hochsicherheitstrakt geht damit nach fast 70 Verhandlungstagen einer der größten Islamistenprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik zu Ende. Für Chefankläger Volker Brinkmann offenbarte das fast einjährige Mammutverfahren vor allem das Ausmaß der religiösen Verblendung und des Hasses, das die vier Männer im Alter zwischen 24 und 31 Jahren zu ihren tödlichen Anschlagsvorbereitungen trieb. In seinem Plädoyer fand Brinkmann harsche Worte für das, was die Angeklagten aus seiner Sicht vorhatten: Einen Massenmord, der vielen Menschen in Deutschland unermessliches Leid zufügen sollte. Pläne die sogar, ihn, den erfahrenen Bundesanwalt, noch immer mit Schaudern erfüllten.
Dass die Terroristen ihre Vorbereitungen im Auftrag der Islamischen Dschihad Union (IJU) nicht umsetzen konnten, lag wohl nur an der monatelangen Beobachtung der Behörden. Fritz Gelowicz, Daniel Schneider und Adem Yilmaz wurden im September 2007 in einer spektakulären Polizeiaktion in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen. Dorthin hatten sie sich zurückgezogen, um die hochexplosiven Wasserstoffperoxid-Bomben zusammenzubauen.
Schon vor dem Zugriff tauschten die Ermittler die gefährliche Lösung allerdings gegen eine harmlose Ersatzflüssigkeit aus. Selek wurde schließlich im November 2007 im anatolischen Konya gefasst und etwa ein Jahr später nach Deutschland ausgeliefert. Er soll vor allem für die Beschaffung der Sprengzünder verantwortlich gewesen sein.
Die höchste Haftstrafe verlangte der Chefankläger Anfang Februar für den Konvertiten Schneider. Neben der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, der Verabredung zum Mord und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion wird ihm auch der versuchte Mord an einem Polizisten zur Last gelegt. Der 24-Jährige soll bei seiner Festnahme im September 2007 auf den Beamten geschossen haben.
Für den Hauptangeklagten und «Motor der Operation», den 30-jährigen ebenfalls zum Islam übergetretenen Gelowicz, forderte die Bundesanwaltschaft eine Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten. Der 31-jährigen Türke Adem Yilmaz soll elfeinhalb, der 24-jährigen Deutsch-Türke Attila Selek fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Selek habe im Gegensatz zu seinen Komplize bei der IJU zwar keinen Gefolgschaftseid abgelegt, aber die Anschlagspläne unterstützt und gewusst, dass es darum ging, Menschen zu töten, erklärte Brinkmann.
Die Verteidiger verlangten allesamt deutlich niedrigere Strafen - und pochen dabei vor allem auf die umfangreichen Geständnisse, die ihre Mandanten im Spätsommer überraschend abgelegt hatten. Selbst die Bundesanwaltschaft nannte die Geständnisse, die einen tiefen Blick in die Organisationsstruktur der IJU offenlegten, beeindruckend.
Allerdings bemängelte Chefankläger Volker Brinkmann, dass bei den meisten Angeklagten keine echte Reue erkennbar gewesen sei. Nur Schneider nahm er sein Bedauern ab. Der 24-Jährige erklärte in seinem Schlusswort, er werde die Verantwortung für sein Handeln übernehmen und eine Bestrafung akzeptieren. Sein Ziel sei es, das Gefängnis mit einem abgeschlossenen Studium zu verlassen. (© AP)




Türkei wirft Assad ein "Blutbad" in Syrien vor

