China will von Eisschmelze in der Arktis profitieren
veröffentlicht am 02.03.2010

In wenigen Jahrzehnten wird in den Sommermonaten die Arktis eisfrei sein - und China bereitet sich in aller Stille darauf vor, alle Vorteile daraus zu ziehen. Die Zurückhaltung erklärt sich nach Analyse des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI aus der geografischen Lage: Anders als die Arktisanrainer USA, Kanada, Russland, Dänemark und Norwegen wird Peking keinen direkten Zugang zu den gewaltigen Öl- und Gasvorkommen haben. Deshalb geht es den Weg der Forschung und der Kooperation.
Stockholm - In wenigen Jahrzehnten wird in den Sommermonaten die Arktis eisfrei sein - und China bereitet sich in aller Stille darauf vor, alle Vorteile daraus zu ziehen. Die Zurückhaltung erklärt sich nach Analyse des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI aus der geografischen Lage: Anders als die Arktisanrainer USA, Kanada, Russland, Dänemark und Norwegen wird Peking keinen direkten Zugang zu den gewaltigen Öl- und Gasvorkommen haben. Deshalb geht es den Weg der Forschung und der Kooperation.
«China erkennt langsam, aber stetig die kommerziellen und strategischen Chancen einer eisfreien Arktis», erklärt die Autorin Linda Jakobson zu ihrer SIPRI-Studie. Der Nachteil des mangelnden Anspruchs und Zugangs zu den in der Arktis vermuteten Rohstoffen - ein Viertel der bislang nicht entdeckten Gas- und Ölvorkommen werden dort vermutet -, soll unbedingt kompensiert werden. In gut drei Jahren werde ein chinesischer High-Tech-Eisbrecher einsatzbereit sein, um nach Bodenschätzen zu suchen und den arktischen Meeresboden zu erforschen, sagt Jakobson.
Einigen chinesischen Forschern sei die bislang von Peking eingenommene Neutralität zu den Gebietsstreitigkeiten zu zurückhaltend, bemerkt SIPRI. «Die Regierung will die Arktis-Staaten aber nicht beunruhigen und verhält sich deshalb vorsichtig in seiner Arktis-Politik.» Jakobsen zufolge will Peking eine aktive Rolle im Arktis-Rat spielen, der bislang Gebietsansprüche und Fragen der indigenen Bevölkerung regelt.
Neben den Bodenschätzen geht es China um die Chancen, die eine eisfreie Nordwest-Passage bietet. Die Schifffahrtsroute von Hamburg nach Shanghai würde sich um bis zu 6.400 Kilometer verkürzen - die derzeitige Route durch den Suez-Kanal entlang der piratengefährdeten Gewässer am Horn von Afrika zum Indischen Ozean ist gut 20.000 Kilometer lang. Zwei deutsche Handelsschiffe durchfuhren im vergangenen Jahr die Nordwest-Passage nördlich von Kanada, die bislang wegen der Gefahren durch Eis gemieden wird.
Das arktische Eis ist in den vergangenen drei Jahren dramatisch geschrumpft - im Sommer 2007 um den Rekord von 4,3 Millionen Quadratkilometern. 2008 und 2009 ging die zweit- und drittgrößte Eisfläche verloren. (© AP)




Arktisches Eis schrumpft auf zweitniedrigsten Stand seit Messbeginn
(Update) - Eisdecke am Nordpol so klein wie nie zuvor

