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Sunniten im Irak fürchten wachsenden Einfluss des Irans

veröffentlicht am 02.03.2010


Bei der Parlamentswahl im Irak am Sonntag treten erneut die tiefen ethnischen und religiösen Spannungen des Landes zu Tage: Wird die Zukunft des Landes säkular sein oder islamisch, pro-iranisch oder pro-westlich? Auch sieben Jahre nach der von den USA geführten Invasion des Landes, mehr als 4.300 getöteten US-Amerikanern und Zehntausenden irakischen Toten ist die Frage der Machtverteilung zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden ungelöst. Dabei will US-Präsident Barack Obama bis Ende August alle Kampftruppen und die restlichen der derzeit noch knapp 100.000 Soldaten bis 2012 abziehen.

 

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Bagdad - Bei der Parlamentswahl im Irak am Sonntag treten erneut die tiefen ethnischen und religiösen Spannungen des Landes zu Tage: Wird die Zukunft des Landes säkular sein oder islamisch, pro-iranisch oder pro-westlich? Auch sieben Jahre nach der von den USA geführten Invasion des Landes, mehr als 4.300 getöteten US-Amerikanern und Zehntausenden irakischen Toten ist die Frage der Machtverteilung zwischen Sunniten, Schiiten und Kurden ungelöst. Dabei will US-Präsident Barack Obama bis Ende August alle Kampftruppen und die restlichen der derzeit noch knapp 100.000 Soldaten bis 2012 abziehen.


Etwa 6.200 Kandidaten bewerben sich um die 325 Parlamentssitze. Beobachter erwarten ein wochen- oder sogar monatelanges politisches Tauziehen bis zur Bildung einer Koalitionsregierung. Diese könnte von Schiiten der Irakischen Nationalallianz geführt werden, die auf enge Verbindungen zum Nachbarn Iran setzen dürften. Dieses Bündnis unterstützen etwa der radikale Geistliche Muktada al Sadr und der Oberste Islamische Rat des Irak.


Oder kommt die Allianz des früheren Ministerpräsidenten Ajad Allawi zum Zug? Der weltlich orientierte Schiite findet auch bei Sunniten Anklang. Der amtierende Regierungschef Nuri al Maliki steht für einen Mittelweg. Der Kompromisskandidat von 2006 hat sich an der Macht gehalten und präsentierte sich mit gewissem Erfolg als nationaler Kandidat, der religiöse Trennlinien überwinden und für Sicherheit sorgen könne. Dieses Image hat jedoch unter einer Serie von Bombenanschlägen in Bagdad gelitten.


Mit seiner Reaktion schürte Al Maliki wiederum die Spannungen im Land, indem er wiederholt frühere Mitglieder von Saddam Husseins Baath-Partei verantwortlich machte und ihnen Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida im Irak unterstellte. Ein Komitee, das die Parlamentskandidaten auf mögliche Beziehungen zur Baath-Partei überprüfte, schloss zudem Hunderte sunnitische Bewerber von der Wahl aus - das schürte Befürchtungen, diese Gruppe der Bevölkerung könnte wie bereits im Januar 2005 die Wahl eines Interimsparlaments boykottieren.


Der Boykott heizte den Aufstand im Irak an und bereitete dem Blutbad der Jahre 2006 und 2007 den Weg. Zwar beteiligten sich die Sunniten Ende 2005 dann doch an der regulären Parlamentswahl, doch da war es schon zu spät, das Abgleiten des Landes in die Gewalt noch zu stoppen. Zwar hat einer der nun Ausgeschlossenen, der prominente sunnitische Geistliche Saleh al Mutlak, zur Beteiligung an der Wahl am 7. März aufgerufen - doch wächst die Sorge, dass die Gewalt wiederaufflammen könnte, wenn die Erwartungen der Sunniten nach der Wahl nicht erfüllt werden sollten.


Denn viele von ihnen sind der Meinung, dass sie nun den Lohn für ihre Abwendung von Al Kaida erhalten müssten. Diese Entscheidung war neben der Aufstockung der US-Truppen 2008 ein Hauptgrund für das Abflauen der Gewalt. Misstrauisch beobachten viele Sunniten auch jedes Zeichen eines wachsenden iranischen Einflusses.


«Der neue Irak wird mit Sicherheit ein schiitischer Irak sein», sagt der Politologe Abdul-Khalek Abdulla von der Emirates University. «Die Sunniten treibt die Sorge über den Iran und eine iranische Dominanz über den Irak um.»


Eine weitere Konfliktlinie verläuft im Norden des Iraks zwischen Arabern und Kurden. Der Streit über die Aufteilung der Stimmen in der ölreichen Stadt Kirkuk führte zu einer Verschiebung der Parlamentswahl von Januar auf März. Die Kurden, die unter Saddam Hussein aus Kirkuk vertrieben worden waren, kontrollieren heute drei Provinzen in der weitgehend selbst verwalteten Region. Für die ethnische Minderheit, die stets fest an der Seite der USA stand, könnte die Wahl ein Wendepunkt werden: «Sie wollen nicht, dass eine irakische, nationalistische Zentralregierung an die Macht kommt», sagt der Irak-Experte Gala Rini von IHS Global Insight.


Für die USA schließlich geht es vor allem darum, nach so vielen getöteten Soldaten und dem Einsatz von Milliarden Dollar bei ihrem Abzug eine relativ stabile Regierung zu hinterlassen. Es gebe ein großes Problem, dies alles zu rechtfertigen, wenn eine religiöse, autokratische Regierung in Bagdad an die Macht käme, sagte Terrence Kelly von der Rand Corporation. Die US-Streitkräfte haben zwar gesagt, dass sie auch noch länger als derzeit geplant im Irak bleiben könnten. Doch ein Einsatz von Kampftruppen über den 31. August hinaus könnte für das Weiße Haus, das die Zahl der US-Soldaten in Afghanistan aufstocken will, politisch unhaltbar werden.


Für viele Iraker indes geht es am Sonntag um grundlegende Dinge: «Die Sicherheit ist das Wichtigste für mich», sagt Sami Ahmed aus Bagdad. «Wenn es Sicherheit gibt, kannst Du in Ruhe arbeiten und alles läuft wie geschmiert.»  (© AP)



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