Fernbedienung für den Web-Server
veröffentlicht am 02.03.2010

© STRATO AG
Ein eigenes Blog ist in wenigen Minuten eingerichtet. Auch die Homepage fürs private Hobby ist keine Zauberei. Die dafür verwendeten Content-Management-Programme wie WordPress oder Joomla sind immer einfacher zu bedienen.
Frankfurt/Main - Ein eigenes Blog ist in wenigen Minuten eingerichtet. Auch die Homepage fürs private Hobby ist keine Zauberei. Die dafür verwendeten Content-Management-Programme wie WordPress oder Joomla sind immer einfacher zu bedienen. Die komplexe Verwaltung der Daten bleibt im Hintergrund - darum kümmert sich die Datenbank MySQL auf dem Webserver. Dass man diese regelmäßig sichern sollte, wird aber von vielen vergessen, wie die wiederkehrenden Hilferufe in den einschlägigen Foren zeigen.
Das liegt auch daran, dass MySQL eine eher sperrige Technik ist, die sich nicht mit ein paar Mausklicks in einem bunten Fenster bedienen lässt. Die Datenbank wird mit Befehlen auf der Kommandozeile gesteuert - also etwa im DOS-Fenster von Windows oder im Terminal-Fenster von Linux oder MacOS. Liegt die Datenbank nicht auf dem eigenen Rechner, sondern auf einem entfernten Server, benötigt man zudem eine Art Fernbedienung, um auf die MySQL-Datenbank zugreifen zu können.
Dafür kam lange Zeit das Netzwerkprotokoll Telnet zum Einsatz. Inzwischen aber haben viele Internet-Anbieter wie Strato den Zugriff mit Telnet aus Sicherheitsgründen gesperrt. Denn Telnet bietet keine Verschlüsselung, so dass sich die Daten auf ihrem Weg durchs Netz leicht abfangen und lesen lassen - und dazu gehören nicht nur die ohnehin zur Veröffentlichung bestimmten Blog-Postings in der MySQL-Datenbank, sondern auch Nutzername und Passwort für den Web-Server.
Der wichtigste Standard für die direkte Netzwerkverbindung zu einem entfernten Computer ist mittlerweile die «Secure Shell» (SSH). Hier werden die Daten beim Transport durchs Netz mit einem geheimen Schlüssel gesichert, der jeweils nur für die Dauer einer Sitzung gültig ist. Stellt man in einem Terminalfenster unter Linux oder auf dem Mac eine solche SSH-Verbindung her, zeigt der entfernte Computer auch den «Fingerabdruck» des verwendeten Schlüssels an: «RSA key fingerprint is 2a:7d:3a:...».
Im Mac-Terminal wählt man für den SSH-Zugriff im Menü unter «Shell» den Befehl «Neue entfernte Verbindung», dann den Eintrag «Sichere Shell (ssh)». Im Eingabefeld für den Benutzer wird der entsprechende Name für den eigenen Webspace eingetragen - bei Strato ist das etwa der Domain-Name. In die Zeile darunter kommt der Befehl für die SSH-Verbindung - wie dieser lautet, sollte die FAQ (Frequently Asked Questions) des Web-Hosters angeben. Nach Eingabe des Passworts kann man nun den entfernten Server so steuern, als ob man direkt davor sitzen würde.
Für die Sicherung der MySQL-Datenbank wird ein Befehl eingegeben, der mit «mysqldump» beginnt - die Details erfährt man wieder beim Web-Hoster. Wird die Datenbank korrekt angegeben und das zugehörige Passwort mitgeliefert, ermittelt dieser Befehl die Struktur der Datenbank-Tabellen und liest ihren Inhalt aus. Das Ergebnis wird in eine Datei mit der Endung .sql geschrieben und im Hauptverzeichnis im eigenen Webspace gespeichert. Kommt es zum Beispiel bei einem Update von WordPress oder Joomla zu Problemen, kann diese sql-Datei verwendet werden, um die Datenbank mit all ihren Inhalten neu aufzubauen.
Die SSH-Technik war ursprünglich nur unter Unix verfügbar - schließlich ist das die wichtigste Sprache für die Kommunikation im Netz. Für Windows gibt es das SSH-Programm Putty. Die kleine exe-Datei wird nach dem Download nicht erst installiert, sondern gleich gestartet. Danach erscheint ein Konfigurationsfenster, in dem die Adresse für den Server eingegeben wird. Mit der Herstellung der Verbindung wird ein MS-DOS-Eingabefenster geöffnet, in dem man sich nun mit Nutzername und Passwort beim eigenen Webspace anmeldet. Sobald die Verbindung steht, kann man mit «mysqldump» die Sicherung der Datenbank starten.
Zum Abschluss jeder SSH-Sitzung sollte man sich von dem freundlichen Webserver anständig verabschieden - mit dem Befehl «exit». Jetzt kann der WordPress-Blogger oder der Betreiber einer Joomla-Homepage wieder ruhig schlafen - der mit den Jahren immer kostbarere Content ist sicher aufbewahrt und kann bei einer Panne leicht wieder erneuert werden. (© AP)




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