Klimabewusst investieren plus Geld verdienen
veröffentlicht am 21.02.2010

Immer mehr Privatanleger halten es für höchste Zeit, klimabewusst zu investieren. «Saubere» Anlagemodelle gibt es mehr als genug. Aber lässt sich mit Umweltschutz, erneuerbaren Energien oder klimafreundlichen Technologien tatsächlich Rendite machen?
Berlin - Immer mehr Privatanleger halten es für höchste Zeit, klimabewusst zu investieren. «Saubere» Anlagemodelle gibt es mehr als genug. Aber lässt sich mit Umweltschutz, erneuerbaren Energien oder klimafreundlichen Technologien tatsächlich Rendite machen? Experten meinen ja. Wer damit guten Gewissens Geld verdienen will, sollte sich allerdings gut informieren und über die finanziellen Risiken beraten lassen, rät Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Noch ist der Markt für Laien sehr undurchsichtig. Banken und Investmentgesellschaften legen immer neue Spezialfonds auf, die auf die unterschiedlichsten Branchen setzen. Zusammengepackt werden etwa Firmen aus der Umwelt- und Klimaschutztechnologie, Produzenten von Windkraft-, Solar- oder Geothermieanlagen, von Brennstoffzellen, Biodiesel, Abwassertechnik oder auch Wasserversorger.
Aktien und Anleihen solcher Unternehmen stellen in allen gängigen Klimawandel-Geldanlagen den Löwenanteil der Investments, wie Andreas Ende, Experte der Verbraucherzentrale Sachsen betont. Selbst Klima-Zertifikate und eigene Indizes wie der Naturaktienindex NAI sind im Angebot. Auch der Markt für CO2-Emissionsrechte steht Privatanlagern mittlerweile offen.
«Das ist ein langer, großer Trend», sagt Aktionärsschützer Cabras. Die Nachfrage sei groß. Die Anbieter «sauberer» Finanzprodukte schätzen das Potenzial des Zukunftsmarkts allein in Deutschland auf 60 bis 80 Milliarden Euro.
Doch längst nicht alle Fonds, Aktien und Zertifikate mit dem Etikett «Klimawandel» oder auch «Klimaschutz» sind tatsächlich klimabewusst. Auch in diesem Bereich gibt es Mogelpackungen. «Da heißt es unheimlich Acht geben», mahnt Cabras zur Vorsicht. Sein Rat: Niemals blind kaufen. Interessenten könnten oft nur erahnen, was wirklich in den Produkten drin steckt, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Einen einheitlichen Maßstab für klimafreundliche Geldanlagen gibt es nicht.
Worauf sollten Kleinanleger achten? Unter anderem auf die Zusammensetzung der Unternehmen, auf denen die Fonds basieren. Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut empfiehlt: «Man muss sich immer fragen: Was haben die Firmen, in die ich investiere, letztlich mit dem Klimawandel zu tun? Welche ist gut gerüstet, welche wird profitieren?»
Jeder Einzelne müsse aber selbst entscheiden, ob ein Unternehmen nach seinen persönlichen Vorstellungen klimafreundlich genug arbeite oder nicht, betont Ende. Für Öko-Puristen sei beispielsweise ein Autohersteller noch lang keine grüne Aktie, nur weil er ein Modell mit Hybridmotor produziere. Anderen Investoren dürfte das womöglich reichen.
Wer strenge Kriterien anlegen will, dem rät der vzbv dazu, ausschließlich auf Wertpapiere von Unternehmen zu setzen, die den Großteil ihres Gesamtumsatzes klimabewusst erwirtschaften. Dazu zählen etwa Hersteller energiesparender Heizungs-, Klima- und Lüftungssysteme, von Dämmstoffen und Energiesparhäusern. Wer die Hürde niedriger ansetzt, für den kommen Firmen infrage, die auf diese Weise nur rund 30 bis 50 Prozent oder noch weniger Umsatz erzielen. Mittlerweile ist ja fast jedes größere börsennotierte Unternehmen zumindest in Teilbereichen im Umweltschutzbereich aktiv.
Wer vom Klimawandel an den Wertpapiermärkten profitieren will, braucht einen langen Atem. Schnelle Gewinne sind nur selten zu machen. Auch Rückschläge müssen verkraftet werden können. Beispiel Solaraktien: Sie glänzten zwar eine Zeit lang mit spektakulären Wertzuwächsen, stürzten zwischendrin aber tief in den Keller.
«Wir raten von Investments in eine einzelne Firma ab, das ist zu riskant», sagt Cabras. Besser sei, sich ein Index-basiertes Produkt zu kaufen oder in einen Fonds aus verschiedenen Umweltschutzbranchen zu investieren. Damit wird das Risiko besser gestreut. Und wie bei jeder anderen Geldanlage gilt auch hier: Nur einen Teil des Vermögens anlegen, niemals alle Eier in einen Korb legen. Vorsicht bei Anlagemodellen auf dem Grauen Kapitalmarkt. Die können schlimmstenfalls zum Totalverlust führen.
Informationen geben die Verbraucherzentralen in der neuen Broschüre «Klimabewusst Geld anlegen». Zusätzliche Tipps gibt es im Internet unter www.verbraucherfuersklima.de. (© AP)




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