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28. Februar 2010

Proteste nach Schließung des AKW Ignalina



Visaginas - Zwei Monate nach der Schließung des litauischen Atomkraftwerks Ignalina haben am Samstag mehr als 2.000 Bewohner der nahe gelegenen Stadt Visaginas gegen die sozialen Folgen der Stilllegung der Anlage protestiert. Die zumeist älteren Demonstranten klagten über einen sinkenden Lebensstandard aufgrund der Kraftwerksschließung. Hunderte Bewohner hätten ihren Arbeitsplatz verloren, außerdem seien im Januar die Heizkosten drastisch gestiegen.

Die Demonstranten protestierten auch auch gegen Pläne der Regierung, das Renteneintrittsalter um ein Jahr auf 65 anzuheben. Sie forderten die Regierung auf, einen hinreichenden Lebensstandard zu garantieren.

Die Rentnerin Galina Javdokimenko erklärte, sie und ihr Ehemann hätten früher umgerechnet üblicherweise rund 80 Euro im Monat für Heizung und Strom bezahlt. Im Januar habe sich die Rechnung dann auf 220 Euro fast verdreifacht. «Wir würden verhungern, wenn wir nicht zusammen wären. Eine Rente allein reicht nicht», sagte die Frau, die nach eigenen Angaben 190 Euro Rente im Monat erhält.

Gemäß seiner Vereinbarung mit der Europäischen Union hat Litauen das Atomkraftwerk Ignalina zum Jahreswechsel stillgelegt. Der letzte außerhalb Russlands gelegene Reaktor vom Tschernobyl-Typ war in der Silvesternacht vom Netz genommen worden. Mit einer Kapazität von 1.320 Megawatt war er einer der größten Atommeiler der Welt und deckte 70 Prozent des litauischen Energiebedarfs. Wegen nunmehr befürchteter Engpässe stieß seine Schließung in weiten Teilen der Bevölkerung auf Kritik.


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