USA schöpfen in Afghanistan wieder Hoffnung
veröffentlicht am 28.02.2010

Die jüngsten Festnahmen hoher Taliban-Anführer und die Fortschritte bei der Offensive in der Provinz Helmand sind für die USA der erste Hoffnungsschimmer im Afghanistan-Krieg seit Jahren. Es besteht die Chance, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten doch in der Lage sein könnten, den vor wenigen Monaten noch unaufhaltsam scheinenden Vormarsch der Aufständischen zu stoppen.
Kabul - Die jüngsten Festnahmen hoher Taliban-Anführer und die Fortschritte bei der Offensive in der Provinz Helmand sind für die USA der erste Hoffnungsschimmer im Afghanistan-Krieg seit Jahren. Es besteht die Chance, dass die Amerikaner und ihre Verbündeten doch in der Lage sein könnten, den vor wenigen Monaten noch unaufhaltsam scheinenden Vormarsch der Aufständischen zu stoppen.
Zum ersten Mal seit vier Jahren sind die Taliban und ihre Verbündeten in der Defensive. Wichtige Anführer wie Mullah Abdul Ghali Baradar, der als Nummer zwei hinter Mullah Mohammad Omar gilt, befinden sich in Pakistan in Sicherheitsgewahrsam. Nach zweiwöchigen Kämpfen übernahm jetzt die afghanische Regierung die Kontrolle über die Taliban-Hochburg Mardschah in Helmand. Mardschah diente den Taliban als Umschlagplatz für Drogen und als logistische Basis. Als nächstes müssen die Taliban einen Angriff auf ihre Hochburg Kandahar befürchten.
Läuft für die Amerikaner alles gut, dann werden die Taliban und ihre Verbündeten zunehmend unter Druck geraten, eine Verhandlungslösung zu suchen. Nach Ansicht des Oberbefehlshabers der US- und NATO-Truppen in Afghanistan, General Stanley McChrystal, ist dies der einzige Weg zu einer Beendigung des Konflikts. General David Petraeus, der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte im Mittleren und Nahen Osten, bezeichnete die Offensive in Helmand nur als Anfang eines Feldzuges, dessen Dauer er auf bis zu 18 Monate schätzte.
Sollten die Taliban ihre Basis in Helmand verlieren, könnten sie sich im Norden der Provinz Urusgan neu aufstellen, besonders wenn die Niederländer wie erwartet dort bis Ende dieses Jahres ihre Truppen abziehen und kein anderer Alliierter einspringt.
Wenn die Gegend rund um Mardschah gesichert ist - ein Prozess, der sich noch Wochen hinziehen könnte - wollen sich die NATO und die mit ihr verbündeten afghanischen Regierungstruppen nach Osten und damit einer weitaus größeren Herausforderung zuwenden: Kandahar. Es ist die zweitgrößte Stadt Afghanistans und die wirtschaftliche und kulturelle Hauptstadt des Südens. Bis zur US-geführten Invasion im Jahr 2001 war sie auch das geistliche und das Machtzentrum der Taliban.
Nach ihrer Vertreibung konnten die Taliban in Kandahar und Umgebung, wo nur 1.000 Kanadier stationiert sind, zuletzt wieder beträchtlich an Boden gutmachen. Mittlerweile kontrollieren sie Dörfer im Norden und Westen Kandahars und haben ihren Einfluss bereits in zahlreiche Viertel der Stadt ausgedehnt.
Um diese Entwicklung zu stoppen, will die NATO ihre Präsenz in dem Gebiet in den kommenden Monaten auf 6.000 Soldaten ausbauen. Tausende weitere werden vermutlich dazu stoßen, wenn die Offensive beginnt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass das im Sommer sein wird.
Wenn die Gegend von Kandahar gesichert ist, hofft die NATO auf die Errichtung eines Bogens der Stabilität, der sich von Helmand im Südwesten bis nach Kabul im Nordosten erstreckt. Dies wiederum würde der afghanischen Regierung dabei helfen, ihren Einfluss auf Gebiete auszudehnen, die sich dem bislang entzogen haben. Möglicherweise würden dann mehr Afghanen als jetzt davon ausgehen, dass ihre Zukunft an der Seite der Regierung liegt und nicht an der der Aufständischen.
Der Schlüssel zu dieser Entwicklung liegt darin, die Kapazität und die Effizienz der afghanischen Regional- und Gemeindeverwaltungen zu verbessern. Viele Dorfbewohner berichten, die Taliban seien vor allem deshalb attraktiv, weil sie örtliche Streitigkeiten regelten und für Recht und Ordnung sorgten - und zwar ohne all das Schmiergeld und die Verzögerungen, die Kennzeichen der afghanischen Verwaltung sind. (© AP)




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