Wrestling-Unternehmen versucht sein Image aufzubügeln
veröffentlicht am 27.02.2010

Johlende Fans begrüßen den Star des Abends, der auf einer Harley seinen Arbeitsplatz ansteuert, einen Boxring. Der steht im Scheinwerferlicht in der Mitte einer voll besetzten Halle, irgendwo in den USA. Der Held trägt ein schwarzes Unterhemd, auf den muskulösen Armen prangen Tattoos.
Frankfurt - Johlende Fans begrüßen den Star des Abends, der auf einer Harley seinen Arbeitsplatz ansteuert, einen Boxring. Der steht im Scheinwerferlicht in der Mitte einer voll besetzten Halle, irgendwo in den USA. Der Held trägt ein schwarzes Unterhemd, auf den muskulösen Armen prangen Tattoos. Er schwingt sich in den Ring. Undertaker nennt sich der Star, Leichenbestatter zu Deutsch, und gleich wird er seinen Gegner vermöbeln. Was nach roher Gewalt aussieht, ist beim Wrestling aber nur gespielt.
Hinter den Kulissen geht es um ein Millionen-Geschäft. Hinter der Show steckt das US-Unternehmens World Wrestling Entertainment (WWE), das an der New Yorker Börse notiert ist und 2008 rund 370 Millionen Euro Umsatz machte. Auf dem deutschen Markt ist WWE seit 1991 aktiv. Rund eine Million Besucher bei Live-Kämpfen haben die Veranstalter hierzulande seitdem gezählt - es hat sich eine eigene Fangemeinde etabliert.
Deutlich mehr Zuschauer haben die bedrohlich aussehenden Muskelprotze seitdem im Fernsehen gesehen. Andrew Whitaker, Chef des internationalen WWE-Geschäfts, spricht von einer halben Million Zuschauer im DSF - an nur einem Abend. Dort findet sich Wrestling in der Kategorie «Kampfsport», die Sendung heißt «SmackDown», was so bedeutet wie «Niederschlagen».
Doch nach dem Willen Whitakers soll mit dem Prügel-Image Schluss sein. Dazu ist er nach Königstein bei Frankfurt gereist, wo er in einem Luxushotel sein Konzept erklärt. «Wir erzählen eine Geschichte mit Athleten», sagt Whitaker, ein hochgewachsener Manager-Typ, der wenig Ähnlichkeit mit den furchteinflößenden Wrestling-Stars hat. «Es gibt noch Vieles zu verstehen, was noch nicht richtig erklärt worden ist.» Die Vermutung des WWE-Managers ist nicht ganz unbegründet, glauben doch in Deutschland immer noch einige, dass sich die Wrestler bei ihren Kämpfen wirklich wehtun.
Wrestling ist so amerikanisch wie Coca Cola, Pick-up-Trucks und Cowboy-Hüte. Produziert wird die Show in den USA. Mit dem Umfang des Programms will Whitaker punkten: An 52 Wochen im Jahr produziere WWE zehn Stunden Programm fürs Fernsehen. Die Inhalte werden bei den rund 350 Live-Kämpfen im Jahr aufgezeichnet und dann dramaturgisch zusammengeschnitten. So verdient das Unternehmen sowohl am Kartenverkauf als auch an den Fernsehrechten. Hinzu kommt eine lange Vermarktungskette: DVDs, Zeitschriften, Videospiele, Tauschkarten, Spielzeug-Figuren.
Mehr als 100 «Superstars» - so heißen die Darsteller offiziell - hat der WWE zur Produktion der Show hervorgebracht. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter schreibt im Hintergrund die Geschichte. Denn was manchem als stumpfe Prügelei erscheint, ist in Wahrheit ein große Geschichte über Freundschaft und Fehden, Mut und Betrug, wie Whitaker erklärt. Jeder Darsteller muss sich zwangsläufig dem Publikum stellen - «Die Menge entscheidet, wer beliebt ist und wer nicht», sagt der WWE-Manager. Das sei eine Frage des Charismas.
In all den Jahren hat sich trotz aller Expansionstrategien eins nicht geändert: Die Zuschauer bekommen ein deftigen Kampf präsentiert - Schläge, Tritte und Sprungattacken inklusive. (© AP)




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