AKWs Krümmel und Brunsbüttel dieses Jahr möglicherweise nicht mehr ans Netz
veröffentlicht am 27.02.2010

© Europäische Kommission
Unionsfraktionschef Volker Kauder hat ein Ende der Debatte um Laufzeiten von Atomkraftwerken gefordert. «Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie», sagte Kauder dem «Hamburger Abendblatt». Wie lange die Brücke sein müsse, werde die Bundesregierung im September in ihrem energiepolitischen Gesamtkonzept festlegen.
Berlin - Unionsfraktionschef Volker Kauder hat ein Ende der Debatte um Laufzeiten von Atomkraftwerken gefordert. «Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie», sagte Kauder dem «Hamburger Abendblatt». Wie lange die Brücke sein müsse, werde die Bundesregierung im September in ihrem energiepolitischen Gesamtkonzept festlegen. «Bis dahin sollten sich alle mit Angaben über Laufzeiten von Atomkraftwerken zurückhalten.»
Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte sich zuletzt für einen Atomausstieg bis 2030 ausgesprochen. Mit dieser Aussage stieß der CDU-Politiker sowohl in der eigenen Partei als auch beim Koalitionspartner FDP auf Kritik und Widerstand.
Derweil erklärte der Energiekonzern Vattenfall, er rechne nicht mehr damit, die beiden stillgelegten Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel rasch wieder anfahren zu können. «Ich werde keinen Zeitpunkt dafür nennen. Aber möglicherweise wird das nicht mehr in diesem Jahr sein», antwortete Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson der «Welt am Sonntag» auf die Frage nach der Wiederinbetriebnahme. «Stand der Dinge ist, dass wir die beiden Anlagen auf höchstmöglichen Sicherheitsstandard bringen und dann wieder anfahren wollen», sagte e.
Der Manager hält Atomenergie auf mittlere Sicht nicht für überflüssig. «Ich persönlich glaube, dass es in Deutschland zu einer Verlängerung der Laufzeiten der Atomanlagen kommen wird, denn das hilft bei der notwendigen Transformation des Energiesystems», sagte Josefsson.
Die eigentlich für Mai geplante Abschaltung des Atomreaktors Neckarwestheim I will der Betreiber Energie Baden-Württemberg (EnBW) wenigstens bis in den Herbst hinein hinauszögern. «Aktuell fahren wir den Block mit Minimallast. Dies führt dazu, dass sich die rechnerische Laufzeit von Neckarwestheim I mindestens bis in den Herbst hinein verlängert», sagte EnBW-Chef Hans-Peter Villis der «WirtschaftsWoche».
Die EnBW werde «alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um einen Stillstand von Neckarwestheim zu verhindern». Ob zur Verlängerung der Laufzeit Neckarwestheims Übertragungen von anderen Kraftwerken erfolgen, wollte Villis nicht ausschließen. «Rechtlich wäre dies eine Möglichkeit. Ob eine solche Reststrommengenübertragung aber eine realistische Option darstellt, will und kann ich heute nicht abschließend bewerten.»
EnBW setzt nicht nur auf den Weiterbetrieb seiner Atomkraftwerke, sondern will gemeinsam mit seinem Großaktionär Electricité de France (EdF) neue Atomkraftwerke in Europa bauen, um den dort erzeugten Strom nach Deutschland zu verkaufen. «Für mich käme in einem solchen Fall nur das benachbarte europäische Ausland infrage. Den Strom könnten wir dann versuchen über die Grenze nach Deutschland zu leiten», sagte Villis. «Ich denke strategisch und in diesem Fall wenn überhaupt dann nicht unter 10 oder 15 Jahren.» (© AP)




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