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Schneider wird wohl Käßmanns Nachfolger

veröffentlicht am 27.02.2010


Nur drei Tage nach dem Rücktritt von Margot Käßmann hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Weichen für die Nachfolge gestellt und sich einmütig für Nikolaus Schneider als neuen Ratsvorsitzenden ausgesprochen. Der 62-jährige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland führt den Vorsitz bereits kommissarisch und soll im November von der Synode für weitere fünf Jahre zum Spitzenvertreter der 25 Millionen Protestanten gewählt werden.

 

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Tutzing - Nur drei Tage nach dem Rücktritt von Margot Käßmann hat der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Weichen für die Nachfolge gestellt und sich einmütig für Nikolaus Schneider als neuen Ratsvorsitzenden ausgesprochen. Der 62-jährige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland führt den Vorsitz bereits kommissarisch und soll im November von der Synode für weitere fünf Jahre zum Spitzenvertreter der 25 Millionen Protestanten gewählt werden.


Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl sagte am Samstag nach der Ratstagung im bayerischen Tutzing: «Es gibt da eine einmütige Auffassung.» Die Vorsitzende der EKD-Synode, Katrin Göring-Eckardt, sagte: «Die Vorhaben, die wir mit Margot Käßmann begonnen haben, werden wir unter der Leitung von Nikolaus Schneider erfolgreich fortführen. Er füllt seine Aufgaben als amtierender Ratsvorsitzender mit Klarheit und Tatkraft aus.»


Aus Respekt vor dem Kirchenparlament hätten die 13 Ratsmitglieder aber nur persönliche Wünsche formuliert. «Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn die Zusammenarbeit mit Nikolaus Schneider über diesen Herbst hinausreichte. Er genießt hohes Vertrauen in der Synode», betonte Göring-Eckardt. Der bayerische Landesbischof Johanne Friedrich sagte: «Das ist auch mein Wunsch».


Der sächsische Landesbischof Bohl sagte der Nachrichtenagentur DAPD, das sei einhellige Meinung. Aber «es wäre ein törichtes Signal, der Synode zu sagen, was sie zu tun hat. Für die evangelische Kirche ist es sehr wichtig, dass die Kleiderordnung eingehalten wird», erklärte der Bischof. Eine offizielle Wahlempfehlung will der Rat erst auf der Synode im November aussprechen.


Käßmann war am Mittwoch nach nur vier Monaten als Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin zurückgetreten, weil sie mit 1,54 Promille eine rote Ampel überfahren hatte. Ihr bisheriger Stellvertreter Schneider bekräftigte in Tutzing sein Interesse an der Nachfolge. Wenn ihm auf der Synode der Vorsitz angetragen würde, «bin ich offen, positiv darauf zu antworten».


Bis dahin werde er alle Möglichkeiten nutzen, «zu gestalten und auch zu prägen», sagte er und kündigte an: «Ich werde die Arbeit von Wolfgang Huber und Margot Käßmann zielstrebig fortsetzen, aber auch mit meinen eigenen Akzenten versehen.» Das «ist kein Problem für mich, da ich schon immer an dieser Arbeit teilgenommen habe und sie Teil meiner eigenen Arbeit war». Besonders bei sozialen Themen «werde ich mich deutlich zu Wort melden», sagte er. Das liege ihm als Sohn eines Stahlarbeiters und Vorsitzender des Diakonischen Rats besonders am Herzen.


Göring-Eckardt sagte, Schneider sei «ein Mensch mit großer Herzenswärme» und stehe «für eine Kirche, die nah am Menschen» sei. «Mit seiner hohen sozialethischen Kompetenz wird er die unverwechselbare Stimme unserer Kirche in der Gesellschaft zur Geltung bringen». Der Rat wolle der Synode aber nicht vorgreifen, zumal zwei der 15 Ratssitze auch noch vakant seien.


«Der Schock der Ereignisse um den Rücktritt von Margot Käßmann sitzt tief», sagte Göring-Eckardt. Käßmann habe mit ihrem «starken Rücktritt unserer Kirche einen großen Dienst erwiesen», sagte die Vorsitzende der EKD-Synode. Der Rat hoffe einmütig, dass sie «eine wichtige Stimme im deutschen Protestantismus bleibt».


Der bayerische Bischof Friedrich sagte, ihr Rücktritt sei «ein Jammer», habe aber die moralische Autorität der evangelischen Kirche gestärkt.


Auf der letzten Synode vor vier Monaten hatten nach Käßmann und Schneider eine Laienvertreterin, Friedrich und der badische Landesbischof Ulrich Fischer die besten Wahlergebnisse erreicht. Der oder die Ratsvorsitzende muss kein Bischof sein, aber seit 1948 war immer ein leitender Geistlicher einer Landeskirche zum Ratsvorsitzenden gewählt worden.  (© AP)



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