Rückrufe nagen an Toyotas tadellosem Image
veröffentlicht am 01.02.2010

Die Automarke Toyota versprach bisher vor allem eines - Zuverlässigkeit. Das Problem mit klemmenden Gaspedalen hat dem Image des größten Autoherstellers der Welt eine üble Schramme verpasst. Wieweit sich das auf Verkaufszahlen und Unternehmensgewinn auswirkt, ist Gegenstand von Mutmaßungen.
Tokio - Die Automarke Toyota versprach bisher vor allem eines - Zuverlässigkeit. Das Problem mit klemmenden Gaspedalen hat dem Image des größten Autoherstellers der Welt eine üble Schramme verpasst. Wieweit sich das auf Verkaufszahlen und Unternehmensgewinn auswirkt, ist Gegenstand von Mutmaßungen. Toyota legte am Donnerstag seine Quartalszahlen bis Dezember vor, in denen sich das Fiasko mit den Gaspedalen noch nicht niederschlägt.
Das Geschäftsjahr von Toyota endet im März. Die Prognosen der Analysten reichen von Milliardenverlust bis bescheidenem Millionengewinn. Was wirklich eintritt, wird wesentlich davon abhängen, wie stark die Probleme mit den Gaspedalen sich in den Verkaufszahlen niederschlagen.
Toyota hat in den USA rund 2,3 Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt gerufen. In Europa könnten etwa 1,8 Millionen Autos von dem Defekt betroffen sein, der auf ein von dem US-Zulieferer CTS hergestelltes Gaspedal zurückzuführen sein dürfte. Das Pedal kann schwergängig werden und steckenbleiben - schlimmstenfalls auf Vollgas. In den Vereinigten Staaten hat Toyota deswegen die gesamte Produktion von acht Modellen für eine Woche gestoppt. Auch betroffen ist der Camry, das meistverkaufte Auto in den USA.
Dabei ist das Problem mit den hakeligen Gaspedalen schon das zweite Qualitätsproblem, mit dem Toyota sich in kurzer Zeit konfrontiert sieht. Erst Ende November hatte der japanische Hersteller 4,2 Millionen Fahrzeuge in den USA zurückgerufen, weil die Fußmatten mit Gaspedal und Bremse ins Gehege kommen konnten.
Das Debakel mit der mangelhaften Qualitätskontrolle trifft Toyota zu einem Zeitpunkt, als der Konzern sich gerade von den Verlusten des Geschäftsjahres 2008/2009 zu erholen begann. Die Kosten für den Rückruf und die Reparaturen werden sich - ebenso wie ein möglicher Einbruch beim Verkauf - erst im letzten Quartal des Geschäftsjahres niederschlagen.
Die Schätzungen gehen auch ohne das Gaspedal-Debakel extrem auseinander. Toyota leidet unter der Abwertung des Dollar beziehungsweise dem Erstarken des Yen. Toyota-Vizepräsident Yukitoshi Funo bezifferte kürzlich den Verlust pro Yen, den der Dollar an Wert verliert, auf 30 Milliarden Yen (240 Millionen Euro). Der Konzern sagt für das Geschäftsjahr 2009/2010 einen Verlust von 200 Milliarden Yen (1,6 Milliarden Euro) voraus. Einige Analysten freilich halten diese Voraussage für zu vorsichtig und rechnen mit einem Gewinn von 34 Milliarden Yen.
Doch Toyota ist nicht der einzige japanische Konzern in ungewohnten Schwierigkeiten. Konkurrent Honda musste gerade erst 646.000 Autos wegen Brandgefahr durch defekte elektrische Fensterheber weltweit zurückrufen. Die ob ihrer Pünktlichkeit und ihres Komforts gerühmte Japan Airlines (JAL) musste Konkurs anmelden und soll mit staatlicher Hilfe saniert werden. Und der einst für seine innovativen Produkte bekannte Elektronikhersteller Sony hat seine Vorreiterposition an Firmen wie Apple, aber auch an asiatische Konkurrenz beispielsweise aus Südkorea abgeben müssen.
Analysten sehen Gemeinsamkeiten: Zu schnelle weltweite Expansion, eine gewisse Selbstzufriedenheit und Arroganz treffen auf Konkurrenten aus anderen asiatischen Ländern, die zum Beispiel Elektronik billiger produzieren und dabei genau das tun, womit viele japanische Firmen ihren Erfolg begründeten: Abschauen, nur diesmal bei den Japanern und nicht bei den Europäern.
Der Zwang zur Kostensenkung machte nach Einschätzung von Analysten bei der Qualitätskontrolle nicht halt. Dazu kommt, dass zum Beispiel Toyota begonnen hat, die selben Bauteile weltweit für die verschiedensten Fahrzeuge zu verwenden. Das spart viel Geld - aber selbst ein kleiner Defekt kann so Chaos in der gesamten Produktion verursachen. (© AP)




Vor EM-Auslosung: Sorgen um das Image der Ukraine

