Frankfurt/Main - An deutschen Universitäten sollen künftig in Zusammenarbeit mit muslimischen Verbänden Zentren zur Ausbildung islamischer Religionslehrer und Imame entstehen. Der Wissenschaftsrat, der die Bundes- und Landesregierungen berät, verabschiedete am Freitag entsprechende Empfehlungen, wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) begrüßte die Empfehlungen ebenso wie muslimische Verbände. Bisher gibt es in Deutschland nur vereinzelte Professuren zur Ausbildung islamischer Religionslehrer und Theologen.
Der Wissenschaftsrat beriet auf seiner Wintertagung unter anderem Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen. Laut «Süddeutscher Zeitung» rät das Gremium nun analog zur christlichen Theologie zu einem massiven Ausbau des Hochschulangebots mit großen Instituten für «islamische Studien» an zunächst zwei bis drei Hochschulen. «Man braucht mehr als nur kleine Lösungen», sagte der Historiker Lutz Raphael, der das Konzept mit einer Arbeitsgruppe vorbereitete.
Die neuen Islam-Institute sollen demnach vier bis sechs Professuren erhalten. Ausdrücklich empfehle der Rat, die Islamstudien an staatlichen Hochschulen zu verankern und nicht privaten Einrichtungen zu überlassen.
Knackpunkt ist die Mitsprache der Muslime, da sich hier die gleichen Probleme wie beim Islamunterricht an Schulen stellen: Der Staat muss eine Religionsgemeinschaft als Ansprechpartner haben, die von ihren Mitgliedern legitimiert ist, verbindliche Aussagen über Glaubensinhalte zu treffen. Die verschiedenen islamischen Organisationen in Deutschland sind aber nicht als Glaubensgemeinschaft anerkannt. Allerdings hat das Bundesverwaltungsgericht 2005 erklärt, die Voraussetzungen einer Religionsgemeinschaft könnten von Dachverbänden erfüllt werden. weiterlesen >>