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Indianer kaufen ihr Terrain zurück

veröffentlicht am 30.01.2010


Viele Indianervölker in den USA sind es müde, darauf zu warten, dass die Regierung in Washington vor Jahrhunderten geschlossene Verträge endlich einhält. Sie haben eine neue Taktik: Sie kaufen Land zurück, das einst ihren Vorfahren gehörte, und geben es in staatliche Treuhandschaft. Dadurch können historische Begräbnisstätten und Orte, an denen Zeremonien und Rituale durchgeführt werden, dauerhaft bewahrt werden.

 

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Omaha - Viele Indianervölker in den USA sind es müde, darauf zu warten, dass die Regierung in Washington vor Jahrhunderten geschlossene Verträge endlich einhält. Sie haben eine neue Taktik: Sie kaufen Land zurück, das einst ihren Vorfahren gehörte, und geben es in staatliche Treuhandschaft. Dadurch können historische Begräbnisstätten und Orte, an denen Zeremonien und Rituale durchgeführt werden, dauerhaft bewahrt werden. Der Kauf trägt so nach Ansicht vieler Ureinwohner zum Schutz ihrer Kultur und Lebensart bei. Außerdem kann das Land für Agrar- und Holzwirtschaft und andere Projekte genutzt werden, die den Völkern Einkommen bringen.


Von 1998 bis 2007 stellten US-Ureinwohnervölker mehr als 340.000 Hektar Land unter staatliche Treuhandschaft, wie aus Zahlen der Behörde für indianische Angelegenheiten hervorgeht, die die Nachrichtenagentur AP anforderte. Zu den Landkäufern zählen etwa die Winnebago in Nebraska oder die Pawnee in Oklahoma. Das Treuhandland ist von örtlichen und staatlichen Gesetzen und Steuern ausgenommen, die meisten Bundesgesetze gelten allerdings.


In der Nähe des Bergs Bear Butte in den Black Hills von South Dakota haben sich drei Stämme zusammengeschlossen und Land gekauft, um es vor kommerziellen Interessen zu schützen. Dort sollte Infrastruktur für Motorradfahrer geschaffen werden, die sich in der Region alljährlich zu einer großen Rallye treffen. Etwa 17 Stämme nutzen den Berg aber noch für religiöse Zeremonien.


Beim Kampf um das Land gehe es um «den Schutz unserer Kultur und unserer Traditionen», sagt Emily White Hat, ein Mitglied der Rosebud-Sioux in South Dakota. Andere Angehörige der Rosebud-Sioux wie deren Präsident Rodney Bordeaux finden dagegen, die Indianer sollten das Land nicht zurückkaufen müssen, da es ihnen widerrechtlich genommen worden sei. Aber auch sie räumen ein, dass das Land ohne einen Kauf nicht geschützt werden könne.


Wie viel Land genau die US-Regierung den Ureinwohnern in den bis Ende des 18. Jahrhundertes zurückreichenden Verträgen zusprach, ist nach Angaben der Behörde für indianische Angelegenheiten unklar. Die Bedingungen wurden im Lauf der Jahrhunderte geändert, um Terrain für Siedler zu öffnen oder um Eisenbahn- und Telegrafengesellschaften Wegerechte einzuräumen. Heute besitzen 562 offiziell anerkannte Stämme mehr als 22 Millionen Hektar, die staatlicher Treuhandschaft unterliegen. Einzelne Staaten und Kommunen wehren sich dagegen, dass weiteres Land dazukommt, denn ihnen entgehen damit Steuern, obwohl sie für Dienstleistungen wie Wasserversorgung und Kanalisation sorgen müssen. Mit einer entsprechenden Klage scheiterte aber zuletzt im September der Staat New York.


Die Kleinstadt Hobart mit knapp 6.000 Einwohnern, ein Vorort von Green Bay in Wisconsin, ist für die Bezahlung ihrer Polizei und anderer grundlegender Dienstleistungen auf die Einnahmen aus der Grundsteuer angewiesen. Ein Drittel ihrer Fläche wurde aber in einen Treuhandfonds für den Oneida-Stamm überführt, wie Elaine Willman von der Ortsverwaltung sagt. Mit einer strikten Ausgabenkontrolle habe man die Einnahmenausfälle bislang auffangen können. Die Gemeinde setzt ihre Hoffnung nun auf ein geplantes Gewerbegebiet, das Geld in die Kassen spülen soll.


Der Stamm der White Earth hat mit einem Ende der 80er Jahre gegründeten gemeinnützigen Projekt in Minnesota hunderte Hektar Land zurückgekauft oder gestiftet bekommen. Der Stamm nutzt das Land zum Anbau von Reis oder anderen Feldfrüchten und zur Produktion von Ahornsirup. Seine Mitglieder hoffen, damit eines Tages wieder finanziell autark zu werden.


Winona LaDuke, die Gründerin des Projekts, sagt, der Landkauf sei zwar teuer, aber die schnellste und einfachste Art für Ureinwohner, wieder die Kontrolle über ihr Gebiet zu bekommen. Denn der Weg durch die juristischen Instanzen wäre lang. Und steigende Geburtenraten sowie eine höhere Lebenserwartung haben die Nachfrage nach mehr Land für Wohnungsbau und wirtschaftliche Entwicklung erhöht.  (© AP)


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