Pannenhelfer im Winterstress
veröffentlicht am 10.01.2010

Früh um sechs beginnt Frank Lachmund seinen Dienst. Kaum ist sein Straßenwachtfahrzeug startklar, kommt schon der erste Auftrag über den Bordcomputer. «SNA» steht zu lesen.
Magdeburg - Früh um sechs beginnt Frank Lachmund seinen Dienst. Kaum ist sein Straßenwachtfahrzeug startklar, kommt schon der erste Auftrag über den Bordcomputer. «SNA» steht zu lesen. Das Kürzel steht für «springt nicht an». In acht von zehn Fällen wenden sich Leid geplagte Kraftfahrer mit diesem Problem an ihren Automobilclub. Nach den vielen freien Tagen und wegen der niedrigen Temperaturen erleben nicht nur die Straßenwachtfahrer des ADAC turbulente Tage.
«Derzeit stehen wir Kopf», erzählt Frank Lachmund. «Wenn der erste Frost kommt, machen die alten Batterien schlapp, und bei minus fünf Grad geht es dann so richtig rund. Dann genügt es schon, wenn ein Auto mal einen Tag nicht bewegt wird.» In der Zentrale in Genshagen bei Berlin haben an diesem Morgen die Mitarbeiterinnen alle Hände voll zu tun, um die Hilferufe aufzunehmen.
Kaum hat Frank Lachmund einen Auftrag als erledigt gemeldet, kündigt sich der nächste mit einem akustischen Signal an. Hermann Mensing wartet geduldig an seinem Auto. Er hat sich auf seinem Garagenhof im Schnee festgefahren. «Ich wollte wenden», erzählt der Niederländer. «Dann steckte ich auch schon fest. Da kommt man allein nicht wieder heraus.» Frank Lachmund schaltet das ESP aus, bittet Hermann Mensing, sich ans Steuer zu setzen. Der Pannenhelfer stemmt sich gegen das Heck. Mit vereinter Kraft schafft es der Pkw schließlich aus der Kuhle.
Doch Zeit für große Danksagungen bleibt nicht, denn schon warten die nächsten. Als das gelbe Pannenhilfefahrzeug vor dem Einfamilienhaus der Richters vorfährt, wartet eine Frau vor der Tür. «Das Auto unserer Tochter will nicht mehr, aber den Schlüssel hat mein Mann, und der fährt gerade unsere Tochter zur Arbeit.» Frank Lachmund nutzt die Zeit für die Statistik. Automarke, Alter, Kilometerstand. Die Daten schickt er per Bordcomputer direkt an die Zentrale in München.
Inzwischen ist Manfred Richter eingetroffen. «Man hat uns gesagt, es dauert vier Stunden», stellt er fest. «Nun ja», erwidert Frank Lachmund, «an kalten Tagen helfen wir zuerst dort, wo jemand auf der Straße stehen geblieben ist. Wer zu Hause im Warmen sitzt, muss länger warten. Aber wenn wir gerade in der Nähe sind, geht es auch schneller.»
Frank Lachmund muss an diesem Morgen immer wieder müden Batterien auf die Sprünge helfen und mahnt die Fahrzeugführer, ihre Autos mehr zu fahren. «Für jeden Startvorgang braucht die Batterie 15 Minuten, um nachzuladen. Fünf Minuten Fahrt von zu Hause bis zur nächsten Kaufhalle genügen bei diesen Temperaturen nicht», erklärt er geduldig.
Das nächste Fahrzeug ist während der Fahrt ausgegangen. Frank Lachmund dreht den Zündschlüssel, der Wagen springt an. Der Straßenwachtfahrer schließt den Laptop mit dem Diagnosesystem an die Elektronik des Pkw. Dort ist kein Fehler gespeichert. «Das sind für uns die schwierigsten Fälle», erklärt der Mechatroniker. «Wenn kein Fehler festgestellt wird, kann auch keiner behoben werden. Da darf man nur hoffen, dass der Diesel in der Leitung gefroren war und dass das Problem nicht wieder auftritt.»
Bei zweistelligen Minusgraden ist die Arbeit der Straßenwachtfahrer kein Vergnügen: «Man kann schon mal am gefrorenen Motorblock kleben bleiben. Trotzdem möchte der gelernte Kfz-Mechaniker und -Elektroniker auch nach fast 20 Jahren nicht wieder zurück in die Werkstatt. Er liebt die Abwechslung bei der Straßenwacht und die Dankbarkeit der Autofahrer, denen er geholfen hat.
An normalen Tagen macht Frank Lachmund acht bis zehn Autofahrer wieder flott. «Derzeit sind es locker 20 bis 25», verrät er. Das geht so seit dem Wochenende vor Weihnachten. Den Straßenwachtfahrern verhagelte der Frost beinahe die Weihnachtsfeier. «Alle kamen später, weil so viel zu tun war», erzählt Lachmund gut gelaunt. «Aber wir haben es trotzdem genossen, denn sonst sind wir ja alle Einzelkämpfer.» (© AP)




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