Premiere für Grönemeyers Ruhr-Hymne

veröffentlicht am 10.01.2010


Unter tanzenden Schneeflocken und vor bibberndem Publikum ist die Eröffnungsfeier für die neue Kulturhauptstadt Europas, das Ruhrgebiet, am Wochenende über die Bühne gegangen. Bundespräsident Horst Köhler gab am Samstag in Essen den Startschuss für den einjährigen Kulturmarathon. Die Ernennung des Reviers zur Kulturhauptstadt sei «ein großer Gewinn für das Ruhrgebiet und für uns alle», sagte Köhler auf einer Freilichtbühne auf dem Gelände der zum Weltkulturerbe erklärten Zeche Zollverein in Essen.

 

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Essen - Unter tanzenden Schneeflocken und vor bibberndem Publikum ist die Eröffnungsfeier für die neue Kulturhauptstadt Europas, das Ruhrgebiet, am Wochenende über die Bühne gegangen. Bundespräsident Horst Köhler gab am Samstag in Essen den Startschuss für den einjährigen Kulturmarathon. Die Ernennung des Reviers zur Kulturhauptstadt sei «ein großer Gewinn für das Ruhrgebiet und für uns alle», sagte Köhler auf einer Freilichtbühne auf dem Gelände der zum Weltkulturerbe erklärten Zeche Zollverein in Essen.


Der Festakt unter dem Motto «Wir sind das Feuer» fand trotz Schneeschauer und Windböen unter freiem Himmel statt. Die Organisatoren wollten die Feier nur bei extremem Winterwetter verschieben. Für die 1.200 geladenen Gäste hatten sie eigens ein «Überlebenspaket» - Sitzkissen, Handwärmer, Regencape und Wolldecke - bereitgestellt.


Der Bundespräsident lobte den «Pott»: «Hier ist Kultur keine elitäre Veranstaltung, sondern eine lebensgestaltende Kraft für alle.» Im Revier gebe es viel zu entdecken: stillgelegte Zechen und Stahlwerke als imposante Zeugnisse einer der größten Industrieregionen Europas, aber auch mittelalterliche Gotteshäuser und zahlreiche beeindruckende Museen. Doch vor allem werde das Revier geprägt von seinen Menschen: «Bodenständig und direkt, hilfsbereit und solidarisch, zusammengekommen aus Europa und der ganzen Welt», sagte Köhler.


Der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, lobte, das Ruhrgebiet sei ein Schmelztiegel der Völker und Kulturen, in dem fünf Millionen Menschen mit Mut die Zukunft gestalteten und allen Unwettern die Stirn böten.


Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers freute sich: «Ein Traum geht in Erfüllung.» Das Kulturhauptstadtjahr 2010 sei ein großer Glücksfall. Die Stadt Essen und das Ruhrgebiet seien nicht zuletzt gewählt worden wegen des Willens und der Fähigkeit, den alten industriellen Ballungsraum durch innovative Ideen in eine der kreativsten Regionen Europas zu verwandeln.


Zum Schluss hatte die neue Ruhr-Hymne Premiere. Herbert Grönemeyer besang im Wintermantel und mit Schal das Revier und seine Bewohner: «Schnörkellos ballverliebt, wetterfest und schlicht. Geradeaus, warm, treu und laut. ... Wo man gleich den Kern benennt und das Kind beim Namen kennt. Von klarer off'ner Natur, urverlässlich, sonnig stur, so weit so pur: Komm zur Ruhr.»


Zum ersten Mal ist mit dem Ruhrgebiet eine ganze Metropolenregion mit 5,3 Millionen Bewohnern als Kulturhauptstadt Europas ausgewählt worden. Jedes Jahr wird eine Stadt jeweils in einem alten und einem neuen Mitgliedsland der EU ausgewählt. Die Entscheidung der Jury fiel im April 2006 auf das Ruhrgebiet und die ungarische Stadt Pezc.


Die 53 Städte des Reviers wollen die Gelegenheit nutzen, auf ihre kulturelle Vielfalt aufmerksam zu machen. Dafür stehen den Organisatoren des Hauptstadtjahres rund 62,5 Millionen Euro zur Verfügung. Geplant sind insgesamt 300 Projekte und 2.500 Veranstaltungen, zu denen fünf Millionen Besucher erwartet werden.


Das Programmangebot reicht vom Happening bis zur Hochkultur: Ein Massenpicknick auf der Autobahn gehört ebenso dazu wie die Uraufführung einer neuen Oper des Starkomponisten Hans Werner Henze. Leuchtende Ballons über alten Bergwerkschächten sollen ebenso Zuschauer anziehen wie spektakuläre Ausstellungen der klassischen Moderne im Essener Museum Folkwang.  (© AP)



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