|
05. Januar 2010
D-Mark-Umtausch läuft noch immer
Die übliche Spannbreite der Beträge reicht von fünf bis 20.000 Mark. «Wenn jemand mit einer Asbach-Flasche voller Pfennige ankommt, kommen natürlich keine weltbewegenden Summen dabei heraus», sagt Jürgen Schühler, der Umtausch-Chef an den Schaltern der Frankfurter Bundesbankfiliale. Sein Team tauscht jeden Betrag ab zwei Pfennige kostenlos um. Das ist auch in den anderen Filialen möglich. Münzen mit der Aufschrift «Bank Deutscher Länder» sind noch OK, Reichsmark oder DDR-Geld nehmen die Mitarbeiter aber nicht an.
Manfred Dombrow aus Wölfersheim nördlich von Frankfurt hatte eine deutlich kürzere Anreise als Römer, seine 400 Mark wiegen aber auch deutlich mehr. Er will die Münzsammlung seiner Mutter eintauschen. «Das hat jahrelang rumgelegen», sagt er. Etwas enttäuscht zeigt Dombrow sich darüber, dass selbst die Fünf-Mark-Stücke aus Silber weniger wert sind als der Nennwert. Sammler wollten fast ausschließlich Münzen, die noch eingeschweißt oder zumindest frei von Kratzern seien, erklärt Dombrow und schaut dabei etwas grimmig. Zumindest springen noch rund 200 Euro für ihn heraus.
Auch acht Jahre nach der Einführung des Euros sind noch knapp sieben Milliarden Mark in Umlauf, je zur Hälfte in Scheinen und in Münzen. Viel von dem Geld wird wohl nie mehr umgetauscht werden, weil es in Sammlungen schlummert, in Verstecken vergessen wurde oder in Gullys und Mülltonnen für immer verloren ging. Trotzdem rechnen die Verantwortlichen damit, dass noch für etliche Jahre Menschen mit ihren Pfennigen, Fünf-Mark-Stücken und den zunehmend in Vergessenheit geratenden Scheinen kommen werden.
Die Bundesbank sammelt außergewöhnliche Geschichten, die sich um den Umtausch drehen. Einmal etwa räumte eine Enkelin die Wohnung der verstorbenen Großmutter, dabei nahm sie einige Geranientöpfe mit, die anderen warf sie weg. Einige Wochen später topfte sie die Blumen um und bemerkte dabei, dass am Boden jedes Topfes ein 100-Mark-Schein in Plastik eingepackt lag. Eine Frage wird nie beantwortet werden: War dies auch bei den weggeworfenen Töpfen so? Der Fall ist typisch. Niemand weiß, wie viel Geld in all den Jahren in Verstecken vergessen wurde. weiterlesen >>

|