Massaker in Guinea ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit
veröffentlicht am 23.12.2009

Drei Monate nach einem Massaker an oppositionellen Demonstranten in Guinea hat eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen der Militärjunta Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Präsident Moussa «Dadis» Camara und zwei weitere führende Junta-Mitglieder seien für die Ermordung und Vergewaltigung von Dutzenden Demonstranten verantwortlich, heißt es einem ranghohen UN-Diplomaten zufolge in dem 60 Seiten starken Bericht der Untersuchungskommission, die vor Ort rund 700 Interviews geführt hat.
New York - Drei Monate nach einem Massaker an oppositionellen Demonstranten in Guinea hat eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen der Militärjunta Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Präsident Moussa «Dadis» Camara und zwei weitere führende Junta-Mitglieder seien für die Ermordung und Vergewaltigung von Dutzenden Demonstranten verantwortlich, heißt es einem ranghohen UN-Diplomaten zufolge in dem 60 Seiten starken Bericht der Untersuchungskommission, die vor Ort rund 700 Interviews geführt hat.
Das dreiköpfige Untersuchungsteam empfiehlt daher Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Juntaführer Camara, der Leiter der Präsidentengarde Abubakar «Toumba» Diakite und der Chef der Anti-Drogen-Einheit Moussa Thegboro Camara trügen eine «individuelle strafrechtliche Verantwortung», heißt es in dem Bericht weiter.
Bei der Oppositionskundgebung vom 28. September in einem Sportstadion in der Hauptstadt Conakry eröffneten Hunderte Sicherheitskräfte das Feuer auf die Menge. Dem Bericht zufolge wurden dabei 156 Menschen getötet, mindestens 109 Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt oder sexuell missbraucht. Der Junta zufolge wurden 57 Menschen getötet, Vergewaltigungen soll es keine gegeben haben.
Der auf französisch verfasste Untersuchungsbericht wurde dem UN-Sicherheitsrat, der Regierung in Conakry, der Afrikanischen Union und der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten am Wochenende zugeleitet. Über den Inhalt des unter Verschluss gehaltenen Dokuments berichtete zuerst die französische Zeitung «Le Monde».
Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kam in einem Untersuchungsbericht, der sich ebenfalls auf Interviews vor Ort stützte, zu dem Schluss, dass es sich um ein geplantes Massaker und damit ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehandelt habe. Human Rights Watch berichte unter Berufung auf Befragungen von 28 Opfern sexueller Gewalt unter anderem von schweren sexuellen Misshandlungen «mit Gegenständen wie Stöcken, Gewehrkolben und Bajonetten». Laut «Le Monde» findet sich diese Beschreibung der Ereignisse auch in dem UN-Bericht wieder.
Die politische Zukunft des westafrikanischen Staats scheint indes weiter ungewiss. Machthaber Camara wurde Anfang Dezember nach Marokko ausgeflogen, nachdem ihn Toumba angeschossen hatte. Über Camaras Gesundheitszustand gibt es seither keine gesicherten Erkenntnisse. Toumba, der Chef der Präsidentengarde, ist seitdem auf der Flucht. (© AP)




UN werfen syrischen Truppen Verbrechen gegen Menschlichkeit vor
Stuttgarter Kriegsverbrecherprozess: Einsatzbefehle der Angeklagten verlesen
Menschenrechtsverstöße in der Elfenbeinküste: Beide Seiten begingen Verbrechen!

