Weltwirtschaftsinstitut sieht mühsamen Weg aus der Krise
veröffentlicht am 21.12.2009

Die Bundesbürger müssen sich nach Angaben des Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) vorerst keine Sorgen über eine Inflation machen. Die Teuerung bleibe auch im kommenden Jahr niedrig, sagte HWWI-Direktor Thomas Straubhaar der Nachrichtenagentur DAPD. Doch der Wirtschaftswissenschaftler hat auch noch eine schlechte Botschaft für 2010: Der Weg aus der Krise werde lang und zäh, und die Arbeitslosigkeit steige.
Hamburg - Die Bundesbürger müssen sich nach Angaben des Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) vorerst keine Sorgen über eine Inflation machen. Die Teuerung bleibe auch im kommenden Jahr niedrig, sagte HWWI-Direktor Thomas Straubhaar der Nachrichtenagentur DAPD. Doch der Wirtschaftswissenschaftler hat auch noch eine schlechte Botschaft für 2010: Der Weg aus der Krise werde lang und zäh, und die Arbeitslosigkeit steige.
«Die deutsche Volkswirtschaft wird lange nicht auf ihr altes Niveau von Anfang 2008 zurückfinden», sagte Straubhaar. Seine nackte Zahlen für das nächste Jahr sehen so aus: Er erwartet ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent, nachdem es 2009 um fast 5 Prozent gesunken sein dürfte. Er rechnet mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 3,8 Millionen nach 3,4 Millionen in diesem Jahr. Die Inflationsrate werde im Jahresdurchschnitt unter 1 Prozent bleiben.
Zwei Hauptgründe sieht Straubhaar dafür, dass die Wirtschaft nur so mühselig wieder in Gang kommt. «Die Politik des billigen Geldes war der Antreiber für den letzten Boom - das ist vorbei», stellte der Institutsleiter fest. Vor Ausbruch der Krise habe fast jede Investition schnell eine Finanzierung gefunden - Geld war ja da. «Das ist vorbei. Die Unternehmen müssen ihre Eigenkapitaldecke stärken und höhere Risikoprämien zahlen. Da bleibt für Investitionen nicht mehr viel übrig», sagte Straubhaar. Das wird die Innovationsgeschwindigkeit und damit die Wirtschaftsdynamik bremsen.
Außerdem fallen die USA als großer Konsummotor nach Überzeugung von Straubhaar für lange Zeit aus. «Es war doch so: China produziert, USA konsumiert. Das wird so schnell nicht wieder möglich werden», sagte Straubhaar und erinnerte an das horrende Staatsdefizit der USA. Auch Deutschland habe von diesem Modell profitiert, denn die Ausrüstung der Fabriken in Asien kam oft von hier.
Am wichtigsten erscheint Straubhaar jetzt die Frage, wie die Staaten aus ihrer gigantischen Verschuldung wieder herauskommen wollen. Er erwartet daher einen Anstieg der Inflation ab 2011. So könnten die Staaten den Druck der Schulden verringern, denn wenn der Wert des Geldes als Folge der Inflation sinkt, gilt das auch für die Schulden.
Besonders verzwickt sei die Lage in der Eurozone wegen Staaten wie Griechenland, denen eine Zahlungsunfähigkeit drohe, sagte Straubhaar: «Ohne internationale Hilfe wird es nicht gehen, denn sonst folgt ein Zerfall der staatlichen Infrastruktur, wie wir ihn für die DDR Ende der 1980er Jahre kennen. Wenn aber geholfen wird, könnten andere Länder darin einen Freipass für weiteres Schuldenmachen sehen, schließlich kommt ja im schlimmsten Fall Hilfe von außen.»
Die Wirtschaftspolitik der neuen schwarz-gelben Bundesregierung sieht Straubhaar «ernüchtert», wie er sagte. «Ich hatte eine bürgerlich-liberale Politik mit mehr Eigenverantwortung und weniger Staat erwartet. Aber leider kommen nur wenig ordnungspolitische Signale für mehr Freiheit und einen Rückzug des Staates aus seiner Rolle als Nothelfer.» Steuererleichterungen für Einzelinteressen wie Hoteliers oder Subventionen für einzelne Branchen wie die Agrarwirtschaft zu schaffen, sei falsch, sagte Straubhaar. Richtig wäre, Produktionsfaktoren zu entlasten - vor allem die Arbeit. (© AP)




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