Neue Märchenreihe zu Weihnachten im Ersten
veröffentlicht am 21.12.2009

Im Gewand eines Hofnarren hat man diesen «Tatort»-Kommissar noch nicht gesehen: Jörg Schüttauf springt in «Schneewittchen» munter im bunten Glöckchenkostüm durch die mittelalterliche Szenerie. Robert Stadlobr mimt Rumpelstilzchen, und Hannelore Elsner die böse Fee in «Dornröschen». Hochkarätige Schauspieler haben sich in Figuren der Märchenwelt der Brüder Grimm verwandelt.
Hamburg - Im Gewand eines Hofnarren hat man diesen «Tatort»-Kommissar noch nicht gesehen: Jörg Schüttauf springt in «Schneewittchen» munter im bunten Glöckchenkostüm durch die mittelalterliche Szenerie. Robert Stadlobr mimt Rumpelstilzchen, und Hannelore Elsner die böse Fee in «Dornröschen». Hochkarätige Schauspieler haben sich in Figuren der Märchenwelt der Brüder Grimm verwandelt. Die acht Neuverfilmungen werden an den Weihnachtsfeiertagen und am Samstag, 2. Januar, im Ersten Programm der ARD zu sehen sein.
Den Auftakt zur Reihe macht am ersten Weihnachtstag um 14.45 Uhr mit «Schneewittchen» eines der bekanntesten und beliebtesten Märchen überhaupt. Mit aller erdenklichen Boshaftigkeit tritt dabei als Stiefmutter Sonja Kirchberger auf und vergiftet Gürtel, Kämme und Äpfel, um doch immer wieder aus dem Spieglein zu erfahren, dass sie nicht die Schönste im ganzen Land sei. Mit dieser Besetzung ist den Produzenten dieser Folge, dem Bayerischen Rundfunk, ein Glücksgriff gelungen. Kirchberger selbst sagt dazu, dass ihr die hinterhältige Königin schon als Kind «ein erhebendes Gefühl» verschafft habe.
Die Schauspielerin wird wohl auch als Zuschauerin nicht die Einzige sein, bei der diese Märchenreihe Kindheitserinnerungen wachruft, denn die Macher haben sich bei allen acht Filmen eng an die Vorlage gehalten. Dass die Handlung demnach keine großen Überraschungen bereithält, dürfte das Publikum eher begrüßen als langweilen. Das Beispiel des tschechoslowakischen Klassikers «Drei Nüsse für Aschenbrödel» zeigt, wie erfolgreich ein solches Konzept durchaus sein kann.
ARD-Programmdirektor Volker Herres setzt genau darauf: «Märchen haben einen ganz eigenen Reiz. Man weiß, dass es in einer Kunstwelt spielt, aber die ist sehr anziehend. Die romantische Dimension, die diese Geschichten haben, machen sie so attraktiv», sagte Herres der Nachrichtenagentur DAPD. Die Brüder Grimm hätten aber Raum für Interpretationen, Ausschmückungen und Ergänzungen gelassen, die ein Erzähler von heute mit Lust und Fantasie füllen könne. «Wir haben - wenn man so will - den traditionellen Märchen ein modernes Mäntelchen heutiger Moralvorstellungen umgelegt», erklärte Herres.
Bei der Besetzung des schönen Schneewittchen hat man mit der bisher weitgehend unbekannten Laura Berlin allerdings mehr auf ein passendes Aussehen als auf besondere schauspielerischen Qualitäten geachtet. Die Haare so schwarz wie Ebenholz, die Lippen so rot wie Blut, doch sonst bleibt die junge Berlin eher so blass wie Schneewittchens Teint.
Auf ein herausragendes Personal können sich die Zuschauer dagegen bei den weiteren Folgen freuen. «Die Gänsemagd» etwa, die am Zweiten Weihnachtstag um 15.45 Uhr gezeigt wird, bietet gleich drei populäre Nachwuchstalente auf. In der unter den Grimm-Märchen weniger bekannten Geschichte zwingt Susanne Bormann als Zofe Magdalena die schüchterne Prinzessin Elisabeth, gespielt von Karoline Herfurth, zum Rollentausch, um sich so die Gunst des Prinzen Florian Lukas zu sichern.
Schauspielerin Bormann kann diesem Stoff auch einen durchaus aktuellen Bezug abgewinnen: «Den Konflikt, das ein Mädchen einem anderen Mädchen ihren Willen aufzwingt, den gibt es ja auf jedem Schulhof», sagte sie der Nachrichtenagentur DAPD. Für Bormann erklärt sich aus dieser Universalgültigkeit der Märchen auch deren großer Erfolg. «Diese Geschichten spiegeln ja ganz tiefliegende Wünsche und Sehnsüchte der Menschen wider; den Wunsch nach Gerechtigkeit, nach Glück, nach Liebe. In den Träumen und Sehnsüchten erkennen sich die Menschen wieder.»
Auch Anna Maria Mühe wird als «Die kluge Bauerntochter» auf die Moralvorstellungen ihrer Zuschauer einwirken. «Das schöne an Märchen ist ja, dass Kindern etwas beigebracht wird, ohne dass man sagt: So ich bringe Dir jetzt etwas bei. Es passiert einfach nebenbei», erklärte die 2006 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnete Schauspielerin. Die ARD möchte es seinen Zuschauer in diesem Jahr also leichtmachen. Wer Streit und Stress an den Festtagen vermeiden, den Kindern nebenbei auch noch alte Werte an die Hand geben möchte, lässt einfach über Stunden den Fernseher laufen.
Am 25. Dezember laufen «Schneewittchen», «Rapunzel» und «Der gestiefelte Kater», am 26. Dezember «Dornröschen», «Die Gänsemagd» und «Rumpelstilzchen», am 2. Januar «Die Bremer Stadtmusikanten» und «Die kluge Bauerntochter». Wiederholungen sind ab 3. Januar sonntags ab 10.03 Uhr zu sehen. (© AP)





