Billen fordert Einfärbung von Gammelfleisch
veröffentlicht am 21.12.2009

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Zur Vorbeugung weiterer Gammelfleisch-Skandale hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) einen nationalen Alleingang Deutschlands angeregt. Vorstand Gerd Billen forderte, ungenießbare Schlachtabfälle bald einzufärben. «Es ist uns nicht zumutbar, nun Jahrzehnte darauf zu warten, dass die EU tätig wird», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD.
Berlin - Zur Vorbeugung weiterer Gammelfleisch-Skandale hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) einen nationalen Alleingang Deutschlands angeregt. Vorstand Gerd Billen forderte, ungenießbare Schlachtabfälle bald einzufärben. «Es ist uns nicht zumutbar, nun Jahrzehnte darauf zu warten, dass die EU tätig wird», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DAPD.
Billen stellte sich damit hinter Verbraucherministerin Ilse Aigner, die ebenfalls die Einfärbung von verdorbenem Fleisch gefordert hatte. Allerdings hatte sie dazu einen Vorstoß auf europäischer Ebene angekündigt. Billen betonte indes, man müsse schnell und auf nationaler Ebene handeln. «Die EU wird zunehmend zu einem Argument, um Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben.» Es dürfe keine Möglichkeit mehr geben, dass Gammelfleisch in Wurst oder anderen Produkten verarbeitet werde.
Mit einem nationalen Alleingang könne man zwar keine Importe aus dem Ausland umgehen, aber man müsse im Inland «schon einmal anfangen», das Problem anzugehen.
Der vzbv-Vorstand zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit der Lebensmittelüberwachung in Deutschland. Auch wenn die Umsetzung hier und da noch Lücken aufweise, zeige die Aufdeckung von Verstößen und Skandalen, dass die Kontrollen funktionierten. Allerdings forderte Billen Nachbesserungen beim Verbraucherinformationsgesetz, damit die Behörden verpflichtet werden, die Namen schwarzer Schafe unter den Unternehmen auch zu veröffentlichen. Bislang könnten sich die Unternehmen auf Betriebsgeheimnisse berufen und Informationen verweigern.
Die Methode, Listen von Restaurants, deren Hygiene nicht den Anforderungen entspricht, im Internet zu veröffentlichen, sollte nach Meinung Billen Schule machen. Das sei genau «die Art Information, die die Verbraucher gut und richtig finden». Er regte auch Positivlisten wie in Dänemark an. Wenn ein Restaurant einen «Smiley» erhalte, sei das für ihn «ein ganz wichtiges Signal, dass ich beruhigt dort essen gehen kann».
Um eine Irreführung der Verbraucher über Art und Qualität von Lebensmittels zu vermeiden, forderte Billen eine korrekte Darstellung des Inhalts nicht nur im Kleingedruckten, sondern auch im Verpackungsdesign. Die Abbildung auf der Verpackung dürfe beispielsweise nicht den Eindruck erwecken, es handele sich um Käse, wenn darin in Wirklichkeit Käse-Imitat enthalten sei. Irreführende Abbildungen auf Verpackungen «muss Frau Aigner abschaffen», forderte er.
Billen trat erneut für eine Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln ein. Damit könne der Anteil von Zucker, Fetten oder Salz relativ schnell erfasst werden. Die Leute hielten sich im Schnitt 15 Minuten im Supermarkt auf: «Keiner verbringt Stunden damit, im Kleingedruckten nach den Nährwertangaben zu suchen.» Untersuchungen in Großbritannien hätten klar gezeigt, dass die Informationen über den Nährwert am besten aufgenommen würden, wenn sie farblich unterlegt würden.
Eine Bevormundung der Verbraucher sieht Billen darin nicht, schließlich würden keine Lebensmittel oder Süßigkeiten verboten. Nur innerhalb einer Gruppe von Lebensmitteln müsse vergleichbar sein, welches weniger Kalorien enthalte und welches mehr. Er wies auch darauf hin, dass die Lebensmittelindustrie mit Millionenbeiträgen für die Bewerbung ungesunder Produkte ausgebe. «Da muss gegengesteuert werden.» (© AP)




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