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18. Dezember 2009

Größtes Unglück in der deutschen Eisenbahngeschichte jährt sich zum 70. Mal



Genthin - Einen dicken Ordner mit Unterlagen hat Dieter Rohr im Laufe der Jahre zusammengetragen. Er enthält alles, was er über das schlimmste Zugunglück in der deutschen Geschichte finden konnte. Listen mit den Namen der Toten, Fotos, Zeitungsausschnitte. Dass sich kaum jemand an das Bahnunglück in Genthin erinnert, bei dem 278 Menschen starben und 453 verletzt wurden, liegt wohl auch an der Zeit, in der es geschah. Es war Krieg, und eine Katastrophe dieses Ausmaßes passte nicht in die Zeit.

Es ist der Abend des 21. Dezember 1939, wenige Tage vor der ersten Kriegsweihnacht. Um 23.15 Uhr startet am Potsdamer Bahnhof in Berlin der D-Zug mit der Nummer 10 in Richtung Köln. Eine halbe Stunde später folgt der D 180, der nach Neunkirchen an der Saar soll. Menschen, die zur Arbeit in Munitions- und Rüstungsbetrieben fern der Heimat verpflichtet waren, wollen über Weihnachten nach Hause. Beide Züge sind überfüllt.

Der vorausfahrende D 10 legt mehrere Stopps ein und verspätet sich immer mehr. Der D 180 hält nur in Potsdam und fährt immer weiter auf. Die Sicht ist schlecht in jener Dezembernacht. Nahe des kleinen Ortes Kade übersieht der Lokführer des D 180 ein Vorsignal und fährt in den für ihn gesperrten Streckenabschnitt bei Genthin. Mit Sicherheitstechnik, die den Zug nach dem fatalen Fehler automatisch stoppt, ist die Dampflok nicht ausgestattet.

Der Schrankenwärter in Kade greift zum Telefon, meldet nach Genthin, dass der D 180 durchgefahren ist. Sein Kollege in Genthin will den heranrasenden Zug mit einem Notsignal, einer roten Handlampe, zum Stehen bringen. Das sieht aber der Lokführer des vorausfahrenden D 10 und hält seinen Zug mit einer Schnellbremsung an. Direkt dahinter folgt der D 180 mit unverminderter Geschwindigkeit. Mit über 100 Kilometern pro Stunde rast er 53 Minuten nach Mitternacht unweit des Genthiner Bahnhofs in den stehenden D 10.  weiterlesen >>


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