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17. Dezember 2009
Vergangenheit nicht unter dem Deckel halten
Potsdam - Die jüngste ostdeutsche Geschichte lässt Ulrike Poppe nicht los. In der DDR war sie unbequem und wurde von den SED-Oberen drangsaliert. Mittlerweile arbeitet die Bürgerrechtlerin seit fast 18 Jahren als Studienleiterin der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg auf dem Gebiet deutsche Zeitgeschichte. Jetzt wird sie die erste Stasi-Beauftragte des Landes Brandenburg überhaupt. Der Brandenburger Landtag wählte die 56-Jährige am Donnerstagnachmittag einstimmig.
Nachdem Brandenburg als einziges ostdeutsches Land seit der Wiedervereinigung fast 20 Jahre lang auf einen solchen Posten verzichtet hatte, gilt Poppe nun als Idealbesetzung. Wegen ihres oppositionellen Engagements in der DDR steht sie nicht unter Verdacht, den sozialistischen Staat unkritisch zu sehen. Mit ihrer bedachten und freundlichen Art fand sie in einer Vorstellungsrunde Anfang dieser Woche zudem Zustimmung in allen Landtagsfraktionen. Auch die Opposition aus CDU, FDP und Grünen begrüßte den Personalvorschlag von Ministerpräsident Matthias Platzeck.
Dass Brandenburg Nachholbedarf bei der Beschäftigung mit der DDR-Geschichte hat, daran lässt Poppe keinen Zweifel. 1991 waren die Abgeordneten des Landtages zum ersten und bisher letzten Mal auf ihre Stasi-Vergangenheit überprüft worden. In den vergangenen Wochen seit Amtsbeginn der ersten rot-roten Landesregierung Ende Oktober waren die Verstrickungen von vier Linke-Parlamentariern mit dem DDR-Geheimdienst enthüllt worden. Das hatte die Koalition aus SPD und Linken in eine ernste Krise gestürzt.
«Es war ein Fehler, dass Brandenburg bislang keinen Beauftragen für die Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur oder einen Stasi-Beauftragten berufen hat», urteilt Poppe. «Die Vergangenheit unter dem Deckel zu halten hat sich gerächt.» Für ihre neue Tätigkeit stellte die Kandidatin zudem klare Forderungen. Sie verlangte sieben Mitarbeiter, ein eigenes Budget und Büros im Potsdamer Stadtzentrum, um von den Bürgern schnell aufgesucht werden zu können. Ein Feigenblatt zur Brandenburger Imagepflege nach den Stasi-Enttarnungen will sie nicht sein. weiterlesen >>

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