Russische Menschenrechtler erhalten Sacharow-Preis
veröffentlicht am 16.12.2009

Drei russische Aktivisten und Kreml-Kritiker haben am Mittwoch den wichtigsten Menschenrechtspreis der Europäischen Union entgegengenommen. Stellvertretend für die Organisation Memorial erhielten Ljudmila Alexejewa, Sergej Kowaljow und Oleg Orlow in Straßburg den diesjährigen Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.
Straßburg - Drei russische Aktivisten und Kreml-Kritiker haben am Mittwoch den wichtigsten Menschenrechtspreis der Europäischen Union entgegengenommen. Stellvertretend für die Organisation Memorial erhielten Ljudmila Alexejewa, Sergej Kowaljow und Oleg Orlow in Straßburg den diesjährigen Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit des Europaparlaments. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert.
Nach der Begrüßung im Parlament appellierte Kowaljow an die Europäische Union, Menschenrechtsverletzungen in Russland immer wieder offen anzusprechen. «Es ist die Aufgabe Europas, nicht zu schweigen», sagte der 79-Jährige. EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek sagte, dass er neben dem Stolz für Memorial und die drei Menschenrechtler auch eine Verbitterung fühle, «dass es nötig ist, einen solchen Preis in Europa zu verleihen».
Mit Bezug auf die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja, die 2004 zusammen mit Kowaljow und Alexejewa den Olof-Palme-Preis erhalten hatte, mahnte Buzek, dass ihre Mörder immer noch nicht verurteilt worden seien. Der Fraktionsvorsitzende der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP), Joseph Daul, sagte an die Preisträger gerichtet: «Ich hoffe, dass sie dieser Preis ermutigen wird, für das zu kämpfen, woran sie glauben - Freiheit und Demokratie.»
Kowaljow und die 82 Jahre alte Alexejewa waren bereits zu Sowjetzeiten Vorkämpfer für Meinungsfreiheit und Demokratie. Kowaljow war als Dissident damals sieben Jahre lang in einem Gulag inhaftiert. Die von Orlow geleitete Organisation Memorial wurde vor 20 Jahren in Erinnerung an die Opfer des Stalinismus gegründet, entwickelte sich aber rasch zu einer breiten Bürgerrechtsbewegung. Eine ihrer Aktivistinnen, Natalja Estemirowa, wurde im Juli in Tschetschenien verschleppt und getötet.
Auch weitere Mitglieder der Organisation wurden bedroht, unter Druck gesetzt und verprügelt. Amnesty International hat bei der Bekanntgabe der Preisträger Ende Oktober erklärt, die Auszeichnung sei angesichts politischer Morde und der andauernden Bedrohung von Menschenrechtsverteidigern «ein wichtiges Zeichen der Solidarität».
Der Preis ist nach dem einstigen sowjetischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow benannt. Er wird seit 1988 jährlich an Personen verliehen, die sich für die Menschenrechte und die Demokratie einsetzen. Frühere Preisträger waren unter anderen der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela und der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan. (© AP)




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